Ozzy, neun Jahre alt und leidet an ADHS, passt in keinerlei Schulumgebung. Er stört den Ablauf des Unterrichts und kann sich nicht mit Themen identifizieren, die ihm irrelevant erscheinen. Gleichzeitig bleibt er bei seinen Interessen im Stich. Ein schwerwiegender Vorfall entsteht durch eine geöffnete Kaninchenstalltür während der Arbeit des Schulwartes mit dem Rasenmäher – ein Vorwurf, den er nicht alleine verdient hat. Trotzdem trägt Ozzy die missbilligende Nachricht seiner Lehrerin nach Hause, was seine Mutter in Rage versetzt.
In ihrem neuen Roman entführt Birgit Birnbacher, eine anerkannte österreichische Autorin und Bachmann-Preisträgerin, die Leser mitten ins Geschehen. Mit wechselnden Perspektiven erzählt sie von Ozzy, der sich nicht an fremde Regeln hält und zunehmend zum Problem wird. Ann, Ozzys Mutter, sieht Parallelen zwischen ihm und sich selbst und ist besorgt über diese Ähnlichkeit. Zäzilia, die Großmutter Anns, verschwindet im Gebirge, vermutlich in Richtung ihres alten Heimes.
Birnbacher kombiniert im Roman die kleinen ADHS-bedingten Katastrophen mit globalen Herausforderungen wie dem Klimawandel. Immer wieder fallen Berge und drohen Überschwemmungen. Dieses Symbolik verbindet äußere und innere Welten, wobei das geröllbeladene Haus als Metapher für die ADHS-Erfahrung steht.
Leidenschaftlich schreibt Birnbacher sich in ihre Figuren hinein und nimmt Partei. Das Buch ist mehr als nur ein Aufruf zur Rettung der Menschheit – es lädt dazu ein, die Geschichte über Menschen mit ADHS neu zu erzählen. Es betont nicht nur deren Probleme, sondern auch das Potenzial ihrer einzigartigen Denkweise.
Birgit Birnbacher: “Sie wollen uns erzählen” (Zsolnay, 2026).
Das Werk ist keine ideologische Botschaft, sondern eine Einladung an Menschen mit ADHS, ihre eigene Geschichte zu schreiben. Diese sollte die Herausforderungen nicht leugnen, aber gleichzeitig das Potenzial ihrer besonderen Denkansätze hervorheben.
Radio SRF 2 Kultur, Literaturclub Interview, 26.4.2026, 11:03 Uhr