Am Donnerstag wurde der baden-württembergische Regierungschef Winfried Kretschmann in Bern vom Schweizer Bundesrat begrüßt. Der Empfang durch zwei Bundesräte hebt ihn hervor, denn Besuche von deutschen Landesvertretern auf Bundesebene sind selten. Hier sind fünf Gründe für die Ausnahme des Grünen Politikers.
Die Einladung zu offiziellen Besuchen wird vom Bund nach einem spezifischen Reglement geregelt, das besagt: Bundesräte begegnen ihren Gästen auf Augenhöhe – typischerweise Minister gegenüber Ministern oder Staatsoberhäupter. Tiefere staatliche Ebenen sind nicht vorgesehen, doch kann der Bundesrat Amtsträger einladen, die für die Schweiz von besonderem Interesse sind.
Die wirtschaftliche Bedeutung der Schweizer Nachbarregionen ist enorm, besonders Baden-Württemberg. Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung aus 2019 profitiert die Schweiz stärker vom Binnenmarkt als jedes andere Land in Europa. Die kulturellen und historischen Beziehungen zu keinem anderen Bundesland sind so intensiv wie zu Baden-Württemberg, was sich in regelmäßigen Besuchen niederschlägt: seit 2000 waren sechs baden-württembergische Regierungschefs in Bern zu Gast; Kretschmann kam vier Mal seit 2011.
Kassiert wurde er von Aussenminister Cassis und Bundesrat Jans, zuständig für Justiz und Sicherheit. Beide teilen eine politische Nähe: Kretschmann war der erste grüne Ministerpräsident aus der Opposition heraus; Jans agierte als Minderheitspolitiker auf Bundesebene. Ihr letztes Treffen fand in Basel statt, wo Jans damals Regierungspräsident war.
Nicht nur die Bedeutung Baden-Württembergs für die Schweiz spielt eine Rolle, sondern auch Kretschmanns Interesse an der Schweiz: Er ist ein wichtiger Fürsprecher in der EU und äußerte im Januar gegenüber SRF seine große Affinität zur Schweiz.
Nach 15 Jahren als Ministerpräsident wird Kretschmann von Cem Özdemir abgelöst. Sein Besuch könnte daher auch ein Abschiedsbesuch sein, da er zuletzt erst rund ein Jahr zurückliegt. Das Eidgenössische Departement für Auswärtiges (EDA) beschreibt das Treffen als Anerkennung der guten Zusammenarbeit über die Jahre hinweg.
Nachrichten, SRF1, 16.4.2026, 16 Uhr