Nach Beendigung der Kampfhandlungen müsste Europa weiterhin mit asymmetrischen Bedrohungen wie Drohnenangriffen, Minen und Schnellbooten im Persischen Golf rechnen. Moritz Brake, Experte für maritime Sicherheit, argumentiert dennoch für die Sinnhaftigkeit eines solchen Einsatzes, der als lehrreich angesehen wird. Sechs europäische Länder, darunter Deutschland, erwägen eine Mission zur Begleitung von Handelsschiffen und Minenräumung nach dem Ende des Konflikts zwischen Israel, den USA und Iran.
Brake, Gründer der Firma Nexmaris und Reserveoffizier in der Deutschen Marine, betont, dass ähnliche internationale Stabilisierungsbemühungen bereits in den 1990er Jahren nach dem zweiten Golfkrieg stattfanden. Neben der Sicherung des Welthandels bietet ein Einsatz im Persischen Golf auch wertvolle Lektionen für Europas eigene Sicherheitsinteressen, da die Bedrohung durch Seeminen größer ist als oft angenommen.
Minen können leicht verlegt werden, jedoch erfordert deren Entfernung große Anstrengungen. Trotz technischer Fortschritte bleibt die Minenabwehr ein komplexer Prozess, der auf menschliche Expertise angewiesen ist und kostspielig sowie zeitaufwendig ist. Brake plädiert für autonomere Systeme, die Seewege überwachen und Minen selbstständig neutralisieren können.
Deutschland sieht sich mit ähnlichen Bedrohungen nicht nur im Persischen Golf konfrontiert; Engstellen wie die Straße von Hormuz sind besonders anfällig. Die EU hat bereits Erfahrung in der Zusammenarbeit mit regionalen Partnern bei Stabilisierungsmissionen gesammelt und könnte diese Kooperationen stärken, um langfristige Selbstständigkeit zu fördern.
Trotz möglicher Konfliktbeendigung bleiben Risiken bestehen. Ein europäisches Einsatzverband müsste neben Minenräumung auch Drohnenangriffe und Raketenabwehr meistern können. Für den Schutz des Minenverbands sind mehrere Fregatten sowie leistungsfähige Flugabwehrschiffe notwendig, ergänzt durch ein System zur Erstellung von Luftlagebildern aus größerer Höhe.
Ein solcher Einsatz ist für Deutschland alleine nicht realisierbar; eine multinationale Zusammenarbeit wäre erforderlich. Herausforderungen wie Munitionsengpässe und unsichere Logistikketten erschweren die Aufgabe. Die aktuellen Angriffe Irans lassen keine zuverlässige Einschätzung der tatsächlichen Bedrohungslage zu, was den Bedarf an maritimer Innovation verstärkt.
Brake kritisiert das langsame Implementieren von Forschungsergebnissen in praktische Anwendungen und fordert eine Veränderung des Beschaffungsprozesses. Es bedarf klarer Pfade, schneller Einführungen und einer Zusammenarbeit mit Herstellern. Die Streitkräfte sollten nicht auf perfekte Lösungen warten, sondern einsatzfähige Technologien schrittweise verbessern.
Ein Einsatz im Persischen Golf würde daher nicht nur die europäische Verantwortung in Krisenregionen testen, sondern auch die Bereitschaft Deutschlands und seiner Partner, maritime Sicherheit neu zu denken. Dazu gehören mehr Munition, verstärkte Luftverteidigung, autonome Fähigkeiten und eine Innovationskultur, die proaktiv agiert.