Die sportlichen Erfolge Norwegens sind nicht nur auf das reichliche Finanzpolster zurückzuführen, sondern auch auf die Dugnad-Kultur: eine Tradition des ehrenamtlichen Engagements für das Gemeinwohl.
Wenn Johannes Hösflot Klaebo als eigene Nation betrachtet würde, stünde er bei den Olympischen Spielen 2026 in Mailand-Cortina mit der Schweiz gleichauf – beide hätten sechs Goldmedaillen errungen. Dank ihm führte Norwegen mit insgesamt 41 Medaillen, davon 18 goldene, den Medaillenspiegel an, während die USA auf Platz zwei lagen.
Klaebo ist ein herausragender Athlet, aber er steht nicht allein da. Namen wie der Fußballer Erling Haaland oder der Mittel- und Langstreckenläufer Jakob Ingebrigtsen zeichnen das Bild einer Nation an der Weltspitze.
Es mag überraschen, dass ein kleines Land mit 5,6 Millionen Einwohnern zu den erfolgreichsten Sportnationen gehört. Mads Skauge von der Nord-Universität erklärt dies aus vier Gründen: In Norwegen engagieren sich viele Kinder über Jahre in verschiedenen Sportarten.
Während große Nationen oft Talente verschleudern, beteiligen sich in Norwegen die meisten Kinder an sportlichen Aktivitäten. Laut einer 2020 veröffentlichten Studie sind 93 Prozent der norwegischen Kinder in einem Sportverein, im Vergleich zu 67 Prozent in der Schweiz.
Um den Spaß am Sport aufrechtzuerhalten, legt Norwegen Wert darauf, dass Training frei von Druck ist. Ranglisten gibt es erst ab zwölf Jahren; bis dahin wird jeder für seine Bemühungen geehrt.
1989 wurde Olympiatoppen gegründet, um Talente zu fördern und nach schlechten Ergebnissen bei den Spielen 1984 in Los Angeles professionelles Training anzubieten. Das Zentrum bietet moderne Technologien zur Leistungsanalyse an.
Norwegen kann aufgrund seines Öl-Fonds von über 1,6 Billionen Franken in Sportinfrastruktur investieren, selbst in abgelegenen Gebieten des Landes.
Sport ist auch ein Mittel der Integrationspolitik; er bietet eine Plattform zur Integration von Zuwanderern und fördert den Austausch von Sprache und Kultur.
Die Freizeitaktivitäten tragen zur Gesundheitsförderung bei. In Norwegen gibt es keine Konkurrenz zwischen Schule und Sport, sondern vielmehr die Überzeugung, dass Sport lebensnotwendige Lektionen vermittelt.
Eltern spielen eine entscheidende Rolle im organisierten Sport als Trainer oder Betreuer, was durch gute Zugänglichkeit zu Kinderbetreuung unterstützt wird. Die Dugnad-Kultur fördert ein niedrigschwelliges und gemeinschaftliches Engagement.
Skauge betont den Glauben an die “Keine-Idioten-Regel”, wie der ehemalige Skifahrer Kjetil Jansrud es ausdrückte: Man muss kein Genie sein, um erfolgreich zu sein. Mehr Freizeit bedeutet ausgeruhte Eltern und zufriedene Kinder, die Sport als integralen Lebensbestandteil erleben.