Ein Jahr nach seiner Amtsübernahme steht die deutsche Regierung vor einer tiefen Krise, insbesondere für Friedrich Merz als Kanzler. Sein Aufstieg glich einem Märchen: Parteivorsitz, Bundestagswahltriumph und schließlich der Weg an die Spitze des Landes. Doch nach dem Verschwinden seiner Unterstützer steht er nun alleine da, kämpfend um eine kohärente Regierungskoalition.
Merz’ Bilanz ist enttäuschend für ihn persönlich und das Land, welches in der Prioritätenliste der Berliner Politik stets hinten ansteht. Als Oppositionsführer verkörperte er Liberalismus gegenüber Merkels Willkommenkultur und marktwirtschaftliche Prinzipien statt staatlicher Einmischung. Seine Ablehnung einer Lockerung der Schuldenbremse stand im Gegensatz zu den späteren Entscheidungen seiner Regierung, wie die Einführung eines Industriestrompreises und Tankrabatte.
Merz, Erbe des Niedergangs der Union, hat den Fortschritt des Rückgangs seiner Partei unter seiner Führung nur weitergeführt. Während er ursprünglich versprach, die CDU zu revitalisieren, steht die Partei nun zwischen Sozialdemokratie und Zeitgeist.
Auch Markus Söder von der CSU bietet keinen besseren Ansatz, da er Politik in einem postmodernen Stil inszeniert. Die Unzufriedenheit unter CDU/CSU-Abgeordneten wächst, da sie Reformverhinderung durch die SPD beklagen und das Ende der Koalition prognostizieren.
Die SPD, traditionell strukturell konservativ, verteidigt den aufwendigen Sozialstaat trotz anhaltender Rezession. Ihr Erfolg in großen Koalitionen unter Merkel hat sie jedoch zu einer blockierenden Kraft gemacht.
Merz wird die Verantwortung für die Krise der Regierung zugeschrieben, wie er auch das größte Konjunkturprogramm initiierte, trotz geringer Wirtschaftswachstumsprognose. Die Koalition strebt Reformen an, scheitert jedoch oft an Strukturveränderungen und landet bei Kostendämpfungsmaßnahmen.
Die nächste Rentenreform wird ohne Abschaffung der umstrittenen Frühpensionierung mit 63 oder Mütterrente schwierig sein, obwohl deren Kosten-Ertrags-Verhältnis kritisch ist. Die politische Stagnation wird durch Merz’ Handeln untermauert, wie beim Tankrabatt, wo er der SPD einen Gefallen tat und damit den Rückhalt in seiner Partei schwächte.
Merz’ Verständnis von Macht bleibt fraglich; seine Strategie zwischen Machtworten und stiller Effizienz ist inkonsistent. Während Merkel durch Stille beeindruckte, wirkt Merz unentschlossen, was sein Ansehen weiter untergräbt. Jeder Tag ohne klare Führungsstärke mindert seine Autorität.