Der Schutz junger Nutzer im Internet bleibt ein zentrales Thema, insbesondere da herkömmliche Altersprüfungen oft ungenügend sind. Frankreich strebt nun nach einer Lösung, die Datenschutz gewährleistet und persönliche Daten schont. Ein vielversprechender Ansatz stammt aus Montpellier: Needemand entwickelte mit «Borderage» eine Methode zur Altersbestimmung anhand von Handbewegungen.
Diese Technologie basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen der 1990er-Jahre, welche Verbindungen zwischen Alter und spezifischen Handgesten herstellten. Obwohl diese Unterschiede für das Auge unsichtbar sind, lassen sie sich messen. Nach neun Jahren Forschung hat Driss Benchakroune ein präzises System zur Altersüberprüfung entwickelt.
Die Nutzung ist einfach: Nutzer benötigen lediglich eine Kamera und folgen einer Abfolge von Handgesten. Ein Algorithmus analysiert die Bewegungen, um das Alter zu bestimmen – ohne Manipulation des Nervensystems möglich. Jean-Michel Polit versichert, dass ein 14-Jähriger nicht nachahmen kann, wie ein 18-Jähriger seine Hände bewegt.
Mit einer beeindruckenden Genauigkeit von etwa 98 Prozent bei der Altersverifizierung (95 Prozent bei Jugendlichen zwischen 16 und 19) hat die Technologie bereits mehrere Plattformen überzeugt. Ursprünglich auf 18 Jahre ausgelegt, ist eine Anpassung für 15- und 16-Jährige geplant.
Nach tragischen Vorfällen von Cybermobbing in Frankreich erlangte der Jugendschutz politische Bedeutung: Ein Gesetzentwurf könnte den Zugang zu sozialen Netzwerken für unter 15-Jährige verbieten. Verabschiedet, würde das Verbot ab September 2026 gelten und Frankreich zum Vorreiter in Europa machen.
Needemand arbeitet bereits mit großen Plattformen zusammen und betont die datenschutzfreundliche Natur von «Borderage». Im Gegensatz zu herkömmlichen Methoden erfordert sie weder Gesichtserkennung noch persönliche Daten. Guido Berger, Digitalredaktor bei SRF, hebt hervor, dass das Verfahren weniger invasiv ist und somit Datenschutzrisiken minimiert.
Trotz der hohen Trefferquote räumt er ein, dass keine Methode zu 100 Prozent sicher ist. Doch Driss Benchakroune bleibt optimistisch: Ein weiteres Produkt soll die Sicherheit bei Grenzfällen gewährleisten und den Beweis für anonyme Altersverifikation liefern.