Die wissenschaftliche Infrastruktur in den USA steht unter Druck, was Europa dazu veranlasst, seine Datensammlung unabhängiger zu gestalten. Ende 2024 wandten sich US-Forscher der NOAA überraschend an Frank Oliver Glöckner aus Deutschland mit der Bitte um Hilfe: “Bei uns ändert sich etwas — könnt ihr uns helfen?” Dies geschah kurz vor Donald Trumps Rückkehr ins Weiße Haus, als klar wurde, dass die Klimaforschung in den USA gefährdet war. Budgetkürzungen und Entlassungen waren absehbar.
In Reaktion darauf begann ein umfangreiches Rettungsprojekt mit einem transatlantischen Netzwerk aus Wissenschaftlern, Aktivisten und anderen Beteiligten. Glöckner und sein Team von der Universität Bremen und dem Alfred-Wegener-Institut arbeiteten an der Plattform Pangaea, um gefährdete Geo- und Umweltdaten zu sichern, darunter historische Messdaten.
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft stellte 860.000 Euro bereit, um diese Daten systematisch zu identifizieren und langfristig zu bewahren. Glöckner betont die Wichtigkeit dieser Daten für genaue Klimabeobachtungen, da das Netzwerk aus Satelliten und Messstationen essentielle Informationen liefert.
In den USA haben sich Forscher und Aktivisten ebenfalls zusammengeschlossen, um Daten zu bewahren. Denice Ross erinnerte in einem Podcast-Gespräch an die Erfahrungen der ersten Trump-Regierung und formulierte Maßnahmen zur Abwehr der schlimmsten Auswirkungen.
Die Public Environmental Data Partners (PEDP) initiierten eine prominente Bewegung, um Hunderte von Datensätzen zu archivieren. So wurde das “Climate and Economic Justice Screening Tool” wieder online gestellt, ein entscheidendes Instrument zur Identifizierung betroffener Gemeinden.
Die Trump-Regierung setzte weniger auf die Zerstörung der Daten selbst als vielmehr darauf, deren Aufbereitung und Zugang einzuschränken. Dies führte zu einem Mangel an Unterstützung bei der Pflege der Infrastruktur, wie Lynda Kellam von der Universität von Pennsylvania feststellte.
Die klimawandelskeptische Politik hat die wissenschaftliche Infrastruktur in den USA und weltweit beeinträchtigt. Glöckner betonte, dass Europa nun unabhängiger werden muss. In Brüssel diskutierte er mit der Europäischen Kommission über Möglichkeiten zur eigenständigen Datenerhebung.
Der politische Konflikt hat die Bedeutung von Klimadaten in den Vordergrund gerückt: “Wenn die Infrastruktur weg ist, merkt auch der Letzte: Ohne Daten funktioniert es nicht”, resümiert Glöckner.