Im dramatischen Halbfinal-Hinspiel der Champions League bei Paris Saint-Germain zeigte Bayern München bemerkenswerten Kampfgeist. Die Entscheidung fällt erst im Rückspiel.
Der erfahrene Coach Luis Enrique, ehemals Mittelfeldspieler für Real Madrid und FC Barcelona, hat den Fussball als Trainer weiterentwickelt. Unter seiner Leitung spielte Barcelona 2015 einen begeisternden Fussball; heute lobt er das Spiel gegen Bayern als besten in seiner Karriere.
Das Ergebnis von 5:4 wirkt wie ein vorgezogenes Penaltyschiessen. Ein solcher Schlagabtausch auf diesem Niveau ist selten und begeisterte die Zuschauer mit neun Toren – ein bisher unerreichter Wert in einem Halbfinale. Der Angriff dominiert derzeit, obwohl beide Teams auch gut verteidigten.
Bei Bayern fehlte es an Effizienz, während PSG brillierte. Auffallend war Khvicha Kvaratskhelias Präzision und Ousmane Dembélés Penalty, ebenso wie der entscheidende Anschlusstreffer von Luis Díaz zum 4:5. Trotz eines 3:2-Rückstandes in der Halbzeit schafften es die Bayern noch heranzukommen.
Das Comeback zeigt den Teamgeist unter Vincent Kompany, dessen Sperre ihn auf die Tribüne zwang. PSG konnte in der Schlussphase kaum etwas entgegensetzen und hätte fast das 5:5 erleiden müssen. Das Rückspiel am Mittwoch verspricht Spannung ohne klaren Favoriten.
Auch im zweiten Halbfinale zwischen Atlético Madrid und FC Arsenal wird weniger Offensivfußball erwartet, sondern Störmanöver zur Spielentschleunigung.
Die neun Tore reflektieren die Ästhetik des Voetbal totaal, das Johan Cruyff mit Ajax Amsterdam einst prägte. Sowohl Luis Enrique als auch Kompany sind von dieser Philosophie beeinflusst und teilen eine ähnliche Spielidee.
Kompany analysierte nach dem Spiel ruhig die Fehler seiner Mannschaft. Trotz der Dramatik bleibt er fokussiert auf Verbesserungen für das Rückspiel, in dem Paris einen leichten Vorteil haben könnte – doch taktische Fesseln könnten beiden Teams egal sein.