Es war abzusehen und doch beeindruckend: Künstliche Intelligenz erreicht zunehmende Kompetenzniveaus. Laut Bildungsökonom Stefan Wolter schneidet ChatGPT nicht nur durchschnittlich begabte Schüler, sondern auch viele Hochbegabte besser ab. Der neueste Bildungsbericht des Bundes zeigt erstmals OECD-Auswertungen: In Pisa-Tests erreichen auf dem höchsten Niveau lediglich 1 bis 2 Prozent der 15-Jährigen bessere Ergebnisse als ChatGPT.
Diese Entwicklung stellt die Schulen vor dringende Herausforderungen bezüglich des Umgangs mit KI. “KI entwickelt sich rasant, was uns alle überfordern könnte”, meint Bettina Surber, SP-Bildungsdirektorin von St. Gallen, wo der IT-Bildungsanreiz zu 75 Millionen Franken führte und nun KI-Projekte für Schulen finanziert.
Dennoch zeigt eine SRF-Umfrage bei größeren Kantonen ein differenziertes Bild: Während einige Kantone kaum Maßnahmen ergreifen, existieren in anderen Leitlinien zu Datenschutz und Urheberrecht sowie pädagogische Weiterbildungen. Thomas Minder, Präsident der Schulleitervereinigung, fordert Bundeseingriffe, um einen unterstützenden Rahmen für den KI-Einsatz an Schulen zu schaffen.
Die digitale Dynamik übertritt schnell kantonale Grenzen. Surber betont die Notwendigkeit nationaler Überlegungen zum Umgang mit KI im Bildungsbereich. Im Gegensatz dazu steht Aargaus Martina Bircher (SVP) dagegen, eine bundesweite Strategie zu verfolgen; jeder Kanton solle seine eigene Lösung entwickeln.
Christophe Darbellay, EDK-Präsident, sieht politischen Druck aus Bern und betont die Zuständigkeit der Kantone für Grundbildung. Die Diskussion über nationale Richtlinien bleibt offen und wird bei der bevorstehenden Plenarversammlung in Bern weitergeführt.