In einer der größten Razzien gegen mutmaßlich kriminelles Motorradgesindel durchsuchten 1200 Beamte in Nordrhein-Westfalen Wohnungen und Lagerstätten in 28 Städten. Dies geschah, nachdem sich die Zahl der Mitglieder des Hells Angels Ablegers stark erhöht hatte.
Kurz nach seiner Gründung meldete sich eine Frau bei dem Präsidenten des Leverkusener Ablegers. Sie war mit einer Schönheitsoperation unglücklich und wollte ihr Geld vom behandelnden Arzt zurück. Dieser schien jedoch nicht einverstanden zu sein. Laut Informationen der Deutschen Presse-Agentur versprach der Präsident der Frau, dass seine Leute dem Chirurgen einen Besuch abstatten würden, um ihre Forderung durchzusetzen.
Wie diese Episode aus dem Jahr 2024 endete, ist ungewiss. Doch für den Präsidenten kam es in der Nacht zu Dienstag zum harten Schnitt: Polizisten stürmten sein Anwesen in Leverkusen, nahmen ihn fest und beschlagnahmten über zwei Millionen Euro an Klubvermögen.
Die Razzia war Teil einer großen Operation gegen die Hells Angels. Auf dem Anwesen des Präsidenten wurden mehrere Motorräder, Autos – darunter ein großer Geländewagen von Dodge, eine Bentley-Limousine und zahlreiche Harley-Davidson-Motorräder – beschlagnahmt. Die Ermittler fanden zudem Waffen und Hinweise auf gewerblichen Drogenanbau. Insgesamt gab es 44 Beschuldigte. Herbert Reul, der nordrhein-westfälische Innenminister, erklärte, die Verfahren umfassten Waffen- und Drogendelikte sowie Gewalttaten und Einschüchterungen.
Die Zahl der Hells Angels in Nordrhein-Westfalen hatte zuletzt stark zugenommen. Ende des Vorjahres identifizierten die Ermittler dort 29 Ableger mit rund 450 Mitgliedern. Ihre Erzfeinde, die Bandidos, hatten nur ein Viertel dieser Mitgliederzahl. Der deutsche Dachverband der Bandidos war bereits im Jahr 2021 wegen krimineller Aktivitäten verboten worden.
Die Konflikte zwischen Hells Angels und Bandidos spielen sich auch öffentlich aus: So gab es in Köln jüngst mehrere Schießereien, die mit der Rivalität der beiden Gruppen zusammenhängen könnten.
In Deutschland wird immer stärker gegen kriminelle Motorradklubs vorgegangen. Seit 2017 gilt das sogenannte Kuttenverbot: Rocker dürfen ihre Abzeichen nicht mehr in der Öffentlichkeit tragen, wenn ein Chapter des Klubs verboten ist.