Angehörige der Opfer von Crans-Montana sind mit hohen Spitalrechnungen aus dem Wallis konfrontiert, die sie laut Angaben jedoch nicht begleichen müssen. Trotzdem flammen die Empörungswellen in Italien wieder auf.
Kürzlich hatte es den Anschein, als würde sich die Versöhnung zwischen Bern und Rom anbahnen. Der italienische Botschafter Gian Lorenzo Cornado ist zurück nach Bern gereist, und die Ermittlungen zur Brandkatastrophe von Crans-Montana schreiten voran. Schweizer und italienische Behörden haben einen gemeinsamen Ansatz gefunden.
Doch es bedarf nur geringer Anlässe, um die Emotionen wieder aufzupeitschen. Ein aktuelles Beispiel ist der jüngste Konflikt zwischen Bern und Rom. Laut italienischen Medienberichten erreichten Angehörige der Opfer in den letzten Tagen dicken Post aus dem Wallis. Eine Familie aus Rom erhielt eine Rechnung von rund 75 000 Euro für die 15-stündige Intensivbehandlung eines 16-jährigen Jugendlichen im Spital Sitten.
Dass ein Vermerk auf der Rechnung darauf hinweist, dass sie nicht bezahlt werden muss, wurde in der Aufregung beinahe übersehen. Allein das Eintreffen dieser hohen Forderungen aus der Schweiz löste in Italien eine große Empörungswelle aus.
Diese Empörung hat es bis ganz nach oben geschafft. Giorgia Meloni äußerte sich am Dienstag auf Facebook und zeigte sich «schockiert» über die Nachrichten. Es sei «eine Beleidigung und ein Hohn, den nur eine unmenschliche Bürokratie hervorbringen kann», so die Regierungschefin.
Sie habe Botschafter Cornado kontaktiert, der ihr nach Gesprächen mit Schweizer Behörden versichert habe, dass keine Zahlungen erforderlich seien. Meloni bat ihn, dem Thema höchste Priorität zu geben, um ein Unglück abzuwenden, bei dem solche Kosten entweder den Opfern oder Italien angelastet werden könnten.
Medien berichten, dass die italienischen Opferfamilien seit längerem auf Krankenakten aus der Schweiz warten. Die ersten erhaltenen Rechnungen haben die Empörung verstärkt. Botschafter Cornado erklärte in der «Repubblica», dass Walliser Regierungspräsident Mathias Reynard von einem «Fehler» sprach und die Familien die Rechnungen über einen Internet-Link zurücksenden könnten.
Ein Angehöriger berichtete jedoch gegenüber einer Zeitung, dass man diesen Link nicht erhalten habe. Auch die vom Schweizer Parlament zugesagten 50 000 Franken als Solidaritätsbeitrag seien noch nicht angekommen.
Für die Schweizer Brandopfer haben Krankenversicherungen einen Rechnungsstopp vereinbart. Bei ausländischen Betroffenen ist die Situation komplizierter, da ein Schweizer Spital die Rechnung ins Ausland schicken muss – was hier passiert zu sein scheint.
Die Höhe der Kosten hängt vom jeweiligen Versicherungsschutz ab. Berichten zufolge greift in diesem Fall die Schweizer Opferhilfe ein. Zur konkreten Situation machte sich die Konferenz der Sozialdirektoren auf Anfrage der NZZ keine weiteren Angaben.