Die rasante Verbreitung von generativer künstlicher Intelligenz (KI) stellt auch die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) vor neue Herausforderungen. Diese Entwicklung wurde auf der jüngsten Generalversammlung der Aktionäre dargelegt.
Seit einem Vierteljahrhundert ist Veränderung in der Medienbranche eine Konstante. Zunächst brachte die Digitalisierung tiefgreifende Umwälzungen, vor allem im Werbemarkt und bei der Informationsvermittlung mit sich. In den letzten zwei Jahren hat die zunehmende Nutzung von KI-Technologien, insbesondere Large Language Models (LLM), die Dynamik in diesem Sektor erneut verändert.
Traditionell findet die Generalversammlung der AG für die Neue Zürcher Zeitung am Samstag vor dem Sechseläuten in Zürich statt. Dieses Jahr fand diese zum 158. Mal im Kongresshaus Zürich statt (vor 1868 war die NZZ noch keine Aktiengesellschaft).
Isabelle Welton, Verwaltungsratspräsidentin der NZZ, erläuterte den Aktionären die Bedeutung von KI-Anwendungen wie Chat-GPT und Gemini. Diese Technologien sammeln oft Inhalte aus journalistischen Beiträgen ohne Entlohnung, was dazu führt, dass die NZZ ihre Inhalte schützt. Zudem verlagern sich Werbeerträge zunehmend zu amerikanischen Tech-Firmen, und weniger Nutzer werden über Suchmaschinen zur NZZ geleitet.
Umso wichtiger ist es für die NZZ, direkt auf ihre Nutzer zuzugreifen. Derzeit stammen über 70 % des Online-Traffics direkt von ihren Nutzern, da diese der vertrauenswürdigen und qualitativ hochwertigen Informationsquelle treu bleiben.
Welton betonte drei Schlüsselempfehlungen: Erstens bleibt der Qualitätsjournalismus mit liberaler Prägung das Kerngeschäft der NZZ. Zweitens werden Beteiligungen auf Bereiche fokussiert, die diesen Journalismus stärken. Dazu gehört unter anderem der Verkauf eines 35-Prozent-Anteils am regionalen Medienhaus an CH Media und ein erhöhter Anteil von 40 Prozent am Aussenwerbeunternehmen APG. Drittens wird die NZZ sich weiter entwickeln, um besser auf die KI-Revolution vorbereitet zu sein.
Die NZZ nutzt KI als Werkzeug zur Effizienzsteigerung, veröffentlicht jedoch keine von generativer KI erstellten Texte oder fotorealistischen Bilder. CEO Felix Graf erklärte, dass sich dank KI die Formen des Konsums journalistischer Produkte erweitern. So können Nutzer Inhalte mittlerweile auch in anderen Sprachen lesen und über Carplay im Auto hören.
Trotz eines Konzernverlustes von 33,4 Millionen Franken im letzten Jahr (aufgrund von Goodwill-Abschreibungen und Verzicht auf IT-Dienstleistungen durch CH Media) hätte der bereinigte Gewinn bei 16,9 Millionen gelegen. Die AG für die Neue Zürcher Zeitung verzeichnete einen Gewinn von 24,3 Millionen Franken. Der Antrag des Verwaltungsrats auf eine Dividende wurde genehmigt.
Die Wiederwahl von Verwaltungsräten Laura Meyer und Dominique von Matt sichert dem Gremium Kontinuität. Chefredaktor Eric Gujer reflektierte in seiner Rede über die Schöpfung der Schweiz, die erstmals im Mittwochsblatt veröffentlicht wird.