Die Branche der Automobilzulieferer, oft als ‘Automotive’ bezeichnet, umfasst in der Schweiz über 500 Firmen, hauptsächlich Klein- und Mittelständische Unternehmen. Diese erzielen zusammen einen Umsatz von 12 bis 13 Milliarden Franken. Etwa 70 Prozent dieser Einnahmen stammen aus dem Ausland, vor allem Deutschland, wo große Automarken ansässig sind. Weitere wichtige Märkte sind Osteuropa, Westeuropa, die USA und China. Rund 30.000 Personen sind in der Schweizer Automotive-Industrie beschäftigt.
Bekannte Unternehmen: Zu den bekannten Zulieferern zählen Autoneum mit etwa 16.400 Mitarbeitenden und einem Umsatz von 2,4 Milliarden Franken sowie Ems Chemie, die rund 2.800 Beschäftigte hat und deren Kundschaft zu 50 Prozent aus der Automobilbranche stammt. Auch kleinere und mittelgroße Betriebe wie Jehle im aargauischen Fricktal spielen eine regionale Rolle. “Wir sehen es als unsere Aufgabe, in der Region ein attraktiver Arbeitgeber für die Mitarbeitenden zu sein”, erklärt Geschäftsführer Robert Reimann gegenüber SRF.
Elektromobilität: Die Elektrifizierung gilt langfristig als dominierende Technologie. Derzeit setzen chinesische Hersteller den Trend. Schweizer Zulieferer produzieren jedoch auch Komponenten, die unabhängig vom Antrieb genutzt werden können. Trotzdem ist der Kostendruck erheblich.
Diversifikation als Lösung: Aufgrund von Konkurrenz aus China und geopolitischen Unsicherheiten stehen Zulieferer in den Nachbarländern unter Druck. Schweizer Firmen reagieren auf diese Herausforderungen mit Diversifizierung, um sich nicht nur von einzelnen Ländern oder Großkunden abhängig zu machen. Eine Studie der Swissmem zeigt: Lag die Zahl der verschiedenen Automobilhersteller, an die ein Unternehmen 2018 lieferte, im Durchschnitt bei zehn, waren es 2023 bereits achtzehn. “Es gibt zwei Lager”, sagt Michael Koller von Swissmem. “Ein Teil ist zu 60 bis 70 Prozent auf Autohersteller angewiesen, während der andere stärker diversifiziert und auch anderen Branchen beliefert.”
Neue Märkte erschließen: Bei der Diversifikation stellt sich die Frage, welche Branchen geeignet sind. Hohe Regulierungen in Bereichen wie Luftfahrt oder Medizin-Technik machen sie interessant für Autozulieferer, da diese qualitativ hochwertige Produkte herstellen können. Der Umstieg ist jedoch herausfordernd, da die bestehenden Produktionslinien auf große Stückzahlen ausgerichtet sind. In anderen Branchen werden niedrigere Stückzahlen benötigt. Die Anpassung der Produktion kann entscheidend sein für die Zukunft des Unternehmens.