Mit Mut und Neugier hat Nina Klötzli ihren einzigartigen Lebensweg beschritten. Bereits im Alter von 14 Jahren verließ sie den familiären Hafen, um ihre letzten Schuljahre in einem englischen Internat zu absolvieren. Dieses multikulturelle Umfeld prägte sie nachhaltig, wie sie selbst sagt: “Es war eine der prägendsten Erfahrungen, die ich gemacht habe.” Nach einer Lehre in der Gastronomie im Wallis zog es Klötzli ins Ausland.
In Nizza fand sie Arbeit in einem Pub. Dort erhielt sie von einem Stammgast das Angebot, als Stewardess auf einer luxuriösen Jacht zu arbeiten – die Abfahrt war in nur 48 Stunden angesetzt. Trotz ihrer Vorbehalte gegen tiefes Wasser und Schiffe packte sie ihre Habseligkeiten zusammen und wagte sich in dieses neue Kapitel, wie sie aus Burgdorf berichtet.
Auf der Jacht des russischen Oligarchen hatte Klötzli die Aufgaben, zu servieren, aufzuräumen und dreimal täglich Pflanzen abzustauben. Ihre Erwartungen, faszinierende Orte zu erkunden, wurden jedoch enttäuscht: “Auf dem Schiff sitzt man fest.” Trotz der Distanz zu den besuchten Orten empfand sie die Erfahrung als bereichernd.
Mit über 30 Jahren entschied sich Klötzli für eine unkonventionelle Lehre zur Messerschmiedin in der Schweiz, umgeben von jungen Polymechaniker-Lehrlingen. Die Herausforderung war groß: “Bei aller Liebe – es waren gute Jungs, aber mit ihnen zurechtzukommen, war der schwierigste Teil der Ausbildung,” meint sie.
Die körperlich fordernde Arbeit als Messerschmiedin brachte Klötzli an ihre Grenzen. Ihr Vater unterstützte sie mit Hanteln im Training. Den Familienbetrieb zu übernehmen, war eine Herzensangelegenheit für sie.
Ihre Familiengeschichte, die sich über sechs Generationen erstreckt, wird in einem besonderen Museum dokumentiert. “Die unbekannten Gesichter bekommen plötzlich eine Geschichte und einen Hintergrund,” sagt sie berührt.
Der selbstbestimmte Tod ihres Vaters prägte Klötzli zutiefst. Die Entscheidung, die die Familie gemeinsam trug, wurde intensiv vorbereitet: “Wir sprachen als Familie darüber, wie wir uns das Leben und Sterben vorstellen,” erklärt sie. Trotz der Schwere dieser Zeit betont sie: “Rational wusste ich es – aber zu erleben war surreal.” Dieses Erlebnis schärfte ihren Blick auf die Endgültigkeit des Lebens.
Ihre Botschaft lautet: “Geniesse den Tag. Carpe diem. Die Zeit vergeht schnell, und man sollte jetzt das tun, was ‹fägt›,” sagt Klötzli, die es wissen muss. Ihre Erfahrungen teilt sie in der Live-Radio-Talksendung «Persönlich», wo Menschen ihre Lebensgeschichten teilen. Jede Woche hört eine große Hörerschaft von über 400’000 Personen zu.
Radio SRF 1, 12.4.2026, 10 Uhr;weds
;Karin Rüfli