Bei seiner letzten Pressekonferenz als Chef der US-Notenbank betonte Powell seine Absicht, in seiner Rolle zurückhaltend zu agieren. Er ließ jedoch offen, wie lange er als Gouverneur im Vorstand verbleiben möchte. Kevin Warsh, ein ehemaliger Fed-Gouverneur, soll ihn nachfolgen; seine Bestätigung durch den Bankenausschuss des Senats erfolgte wenige Stunden vor der Zinsentscheidung, wobei noch die Zustimmung des gesamten Senats aussteht.
Die Federal Reserve beschloss unter Berücksichtigung von Energiekrise und Inflationsängsten aufgrund des Iran-Konflikts, den Leitzins in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent beizubehalten. Ökonomen äußern Bedenken, dass Trump durch Warsh einen starken Einfluss auf zukünftige Entscheidungen nehmen und so indirekt Zinssenkungen bewirken könnte. Powell möchte möglicherweise im Vorstand verbleiben, um ein Gegengewicht zu bilden – was Präsident Trump missfällt, da er ihn schon länger absetzen wollte.
Powell äußerte sich besorgt über die «rechtlichen Angriffe» gegen seine Person. Diese würden gefährden, dass die Geldpolitik unabhängig von politischen Einflüssen betrieben werden könne, so Powell. Er kritisierte diese Schritte als beispiellos in der 113-jährigen Geschichte der Fed und befürchtete eine Schwächung ihrer Unabhängigkeit. «Ich habe gesagt, dass ich den Vorstand nicht verlassen werde, bis diese Untersuchung wirklich und endgültig unter transparenten Bedingungen abgeschlossen ist», betonte er.
Kurz zuvor hatte Bezirksstaatsanwältin Jeanine Pirro angekündigt, ihre Ermittlungen wegen hoher Renovierungskosten eines Fed-Gebäudes gegen Powell einzustellen. Auch das Justizministerium sieht von einer Fortsetzung der Untersuchungen sowie von neuen Vorladungen ab. Die Vorwürfe werden über die Parteigrenzen hinweg als Angriff Trumps auf die Unabhängigkeit der Fed gesehen, zumal er Powell öffentlich wegen aus seiner Sicht zu langsamer Zinssenkungen kritisiert hatte. Es ist wichtig anzumerken, dass Entscheidungen zum Leitzins nicht allein vom Fed-Chef, sondern durch den gesamten Zentralbankrat in regelmäßigen Abständen getroffen werden.