Die Bharatiya Janata Party (BJP) um Premierminister Narendra Modi hat einen bedeutenden Erfolg erzielt, indem sie zum ersten Mal den Teilstaat Westbengalen gewann. Mit diesem Triumph kontrolliert die Hindu-nationalistische Partei nun in 22 der 28 indischen Bundesstaaten. Dieser Sieg markiert eine historische Veränderung, da Westbengalen bisher stets von Oppositionsparteien regiert wurde und eine starke kulturelle Identität besitzt. Die BJP setzt damit ihre Dominanz fort, während sie nur im Süden und Nordwesten des Landes auf Herausforderungen trifft.
Premier Modi hat sich intensiv in den Wahlkampf eingebracht, zusammen mit seinem Innenminister Amit Shah. Der Sieg in Westbengalen war ein entscheidender Schritt zur Kompensation der Niederlage bei den indischen Parlamentswahlen im Frühjahr 2024, als die BJP ihre Mehrheit verlor und auf Koalitionspartner angewiesen ist. Viele hatten erwartet, dass Modi nach dem Verlust seiner parlamentarischen Dominanz seine Politik ändern müsste.
Trotz dieser Herausforderungen erwies sich Modis Partei als widerstandsfähig und gewann rasch die Regionalwahlen in mehreren Staaten. Die BJP hat im Laufe der Jahre eine effiziente Parteistruktur aufgebaut, die von Modi und Shah stark geführt wird, wobei interne Konflikte minimiert werden.
Früher war die BJP vor allem in hindisprachigen Regionen Nordindiens einflussreich. In Gebieten mit starker regionaler Identität wie Westbengalen hatte sie jedoch Schwierigkeiten. Mit dem Sieg in einem so traditionsreichen Staat zeigt die Partei, dass sie über ihre traditionellen Wählerkreise hinauswächst.
Die 106 Millionen Einwohner von Westbengalen sind mehrheitlich Hindus, sprechen aber vornehmlich Bengali und sind stolz auf ihre eigene Kultur. Die Metropole Kolkata sieht sich als kulturelles Zentrum Indiens. Seit 2011 regiert der Trinamool Congress (TMC), eine säkulare Regionalpartei unter Mamata Banerjee, die sich gegen Modi gestellt hat.
Banerjees Kampagne konzentrierte sich auf den Schutz der regionalen Identität und Frauenrechte. Die BJP versuchte demgegenüber zu beweisen, dass sie Westbengalen durch die Regierung in Delhi fördern können. In Angriff genommen wurde auch das umstrittene Überprüfungsverfahren von Wählerlisten kurz vor den Wahlen, was viele Muslime des Wahlrechts beraubte und als politisch motiviert kritisiert wurde.
Trotz der Kontroversen hat die BJP 206 der 294 Sitze im Regionalparlament gewonnen. Im Süden Indiens bleibt die Partei jedoch auf Herausforderungen angewiesen, da sie in Tamil Nadu und Kerala kaum punkten konnte. Dennoch markieren Machtwechsel in diesen Staaten einen Wendepunkt.
Die BJP erlebt damit eine Rückkehr zur Stärke unter Modi, während der indischen Opposition zwei prominente Führungspersönlichkeiten verloren gehen.