In einem Versuch, die Unterstützung für die Ukraine in Lettland zu untergraben, verbreiten prorussische Kanäle gezielte Falschinformationen. Die Unterstützung der Ukraine ist in Lettland hoch, doch die Abstürze von Drohnen führen nun zu politischen Spannungen im Land.
Zu den Ereignissen: In der Nacht auf Donnerstag drangen wieder einmal ausländische Drohnen in den lettischen Luftraum ein. Zwei dieser unbemannten Fluggeräte stürzten kurz darauf in Lettgallen ab, wobei eines vier leere Öltanks in Rezekne beschädigte. Die zweite Drohne wird noch gesucht.
Obwohl die Herkunft der Drohnen bisher nicht bestätigt ist, drangen sie aus Russland ein. Es besteht der Verdacht, dass es sich um ukrainische Drohnen handelt, die auf Ziele in Russland abgezielt hatten und vom Kurs abwichen.
Verteidigungsminister Andris Spruds erklärte bei einem Besuch in Rezekne am Donnerstag, der Vorfall sei eine Folge von Russlands Aggression gegen die Ukraine. Seit vier Jahren versucht die Ukraine, den illegalen Übergriff Russlands abzuwehren und greift dabei unter anderem russische Ölhäfen im finnischen Meerbusen an.
Auf prorussischen Telegram-Kanälen, besonders beliebt bei der russischsprachigen Minderheit in Lettland, wird jedoch eine andere Version verbreitet. Der Kanal «Baltnews» mit etwa 25.000 Abonnenten behauptet von einem «Angriff auf das souveräne und unabhängige Lettland». Prorussischer Politaktivist Andrejs Pagors erhebt fälschlicherweise den Vorwurf, Lettland habe seinen Luftraum für Angriffe auf russische Städte zur Verfügung gestellt – eine Behauptung, die bereits im April in Bezug auf Finnland verbreitet wurde.
Baltische Staaten und Finnland betonen stets, der Ukraine keine Erlaubnis gegeben zu haben, ihren Luftraum zu nutzen. Dennoch verbreiten sich Falschmeldungen ungehindert in prorussischen Netzwerken. Die lettische Nachrichtenagentur Leta hat 99 Beiträge auf 50 verschiedenen Kanälen analysiert, die am Donnerstag über 4,1 Millionen Mal angesehen wurden.
Einige Posts sind erfunden, wie etwa dass eine ukrainische Drohne ein Wohnhaus in Kurzeme in Brand setzte. Die Desinformationskampagne ist jedoch komplexer gestrickt, indem sie Fakten verdreht. So wird die Ukraine beschuldigt, während Lettland und die NATO für ihre Unterstützung der ukrainischen Angriffe verantwortlich gemacht werden. Prorussische Propaganda schlussfolgert: Die Unterstützung der Ukraine stellt ein Sicherheitsrisiko für Lettlands Bevölkerung dar.
Eine Umfrage im Januar 2025 zeigte, dass die Unterstützung für die Ukraine in Lettland stark bleibt. 62 Prozent der Befragten wollten die Ukraine unterstützen, bis sie den Krieg gewonnen hat. Doch dieser Vorfall führt zu innerstaatlichen Spannungen.
Nicht nur Probleme bei der Erkennung von Drohnen wurden aufgedeckt, auch die Warnungen über Mobilfunk waren verzögert. Am Donnerstag blieben Schulen in Rezekne und Ludza als Vorsichtsmaßnahme geschlossen. Ministerpräsidentin Evika Silina kritisierte den Verteidigungsminister Andris Spruds scharf und versicherte der Bevölkerung im Osten Unterstützung.
Oppositionsparteien fordern nun Spruds’ Rücktritt, ein Misstrauensvotum ist für nächste Woche geplant. Fraglich bleibt, ob er auf seine Koalitionspartner zählen kann. Im Oktober findet in Lettland eine Parlamentswahl statt, und der Wahlkampf hat bereits begonnen.