Als Pionier des modernen Bergsteigens revolutionierte Reinhold Messner das Klettern, indem er als Erster alle 14 Achttausender bezwang und ohne zusätzlichen Sauerstoff den Mount Everest bestieg. Der Südtiroler prägte durch seinen «Verzicht-Stil» die Alpinwelt nachhaltig. Neben seinen Expeditionen durchquerte er zu Fuss die Gobi-Wüste und Antarktis und bleibt als Autor aktiv.
Im Gespräch mit Urs Gredig betonte der 81-jährige Messner seine Leidenschaft für kreative Tätigkeiten, unterstützt von seiner Partnerin. “Glück entsteht durch das Gestalten, nicht aus dem Haben,” erklärte er und unterstrich die Bedeutung des Abenteuererzählens.
Messners Lebensphilosophie basiert auf der Wertschätzung des Augenblicks trotz zahlreicher Expeditionen. Seine Entscheidungen treffen er und seine Frau spontan, wodurch Europa oft unbekannt bleibt. Er widersprach dem Bild eines Egoisten und betonte die Bedeutung von Partnern in seinen Unternehmungen.
Die Frage nach der Faszination für gefährliche Aktivitäten beantwortete er mit der Einsicht, dass das Leben zeitlich begrenzt ist und die Natur stärker als wir. Er kritisierte jüngst die von Netflix übertragene Besteigung eines Wolkenkratzers durch Alex Honnold als voyeuristisch.
Urs Gredig beschrieb Alpinismus als Weg zur Selbsterkenntnis, weit entfernt von bloßen Bestleistungen. Messner sieht jede Generation vor der Herausforderung, das Unmögliche zu erreichen und betont die Auseinandersetzung zwischen Mensch und Berg.
Trotz einer Nahtoderfahrung 1970 hat Messner keine Angst vor dem Tod: “Sterben ist das Grossartigste,” sagte er. Diese Erfahrung beleuchtete für ihn sowohl die Endlichkeit des Lebens als auch dessen Schönheit.
Das Interview führte Urs Gredig, der in seiner wöchentlichen Talkshow über Politik, Wirtschaft und Gesellschaft spricht – ab Januar dieses Jahres auch als Podcast verfügbar.