Die strategische Bedeutung von Spitzbergens Inselgruppe wächst, während die norwegische Regierung mit einer komplexen Lage konfrontiert ist. Kürzlich riet der kroatische Präsident Donald Trump, sich nicht um Grönland zu kümmern, sondern stattdessen Spitzbergen in Betracht zu ziehen, da seine eisfreien Gewässer mehr strategischen Wert bieten könnten.
Obwohl Trumps Interesse an der Inselgruppe als unwahrscheinlich gilt, wie sein Berater Thomas Emanuel Dans Anfang Februar betonte, wird Norwegen gelobt für die Aufrechterhaltung von Sicherheit und Freiheit auf Spitzbergen. «Wir sehen dort nicht dieselben Risiken wie in Grönland», fügte er laut NRK hinzu.
Russlands Präsenz im Nordpolarmeer hat sich jedoch seit dem letzten Jahrzehnt deutlich verstärkt. Beate Gangas, Chef des norwegischen Inland-Nachrichtendienstes, nannte die aktuelle sicherheitspolitische Lage die schwierigste seit dem Zweiten Weltkrieg. Der jüngste Sicherheitsbericht Norwegens zeigt einen Anstieg russischer Bedrohungen wie Sabotageakte und Cyberangriffe.
Spitzbergen befindet sich auf halbem Weg zwischen Nordkap und Nordpol und dient als Zugang zur Barentssee, die zu Russlands Kola-Halbinsel führt. Dort sind Atom-U-Boote, Eismeerflotte sowie Bombenflugzeuge stationiert.
Seit hundert Jahren ist Spitzbergen Teil Norwegens, mit voller Souveränität gemäß dem 1925 in Kraft getretenen Vertrag. Dies erlaubt Selbstverteidigung, jedoch nicht den Bau militärischer Anlagen. Menschen aus allen 44 Vertragsstaaten dürfen sich dort niederlassen, darunter Russland als Rechtsnachfolger der Sowjetunion.
Die Insel beherbergt etwa 2500 Einwohner in Longyearbyen und rund 340 Russinnen und Russen in Barentsburg. Dort betreibt das Staatsunternehmen Arktikugol den unrentablen Kohleabbau, der hauptsächlich als Vorwand für die Aufrechterhaltung russischer Beobachtungspositionen dient.
Seit Putins Ukraine-Einmarsch meiden Touristen Barentsburg. Politische Spannungen steigen: Norwegens Aussenminister Espen Barth Eide erklärte, dass die Arktis an politischer Hitze zunehme.
Nach der Krim-Annexion 2014 haben russische Provokationen zugenommen. Moskau kritisiert Norwegen für angebliche Vertragsverletzungen und Militarisierungsversuche, um den Archipel in die NATO-Strukturen zu integrieren.
Russland betont seine historische Präsenz auf Spitzbergen und inszeniert patriotisch-religiöse Zeremonien, wie die Segnung eines illegal aufgestellten Kreuzes durch Putins Lieblingsbischof im verlassenen Pyramiden. Im Sommer sollen russische Schiffe zwischen Murmansk und Barentsburg fahren, um Visumpflichten zu umgehen.
Nach Sabotageakten in der Ostsee wächst die Angst vor Angriffen auf Spitzbergen mit seiner kritischen Infrastruktur: Forschungszentren, Energieanlagen und eine globale Saatgutbank. 2022 beschuldigte Russland die Satellitenstation SvalSat der militärischen Nutzung, und ein Glasfaserkabel wurde vermutlich von russischen Trawlern beschädigt.
Stian Bones, Geschichtsprofessor an der Arctic University in Tromsö, sieht Spitzbergen als Testballon für Moskaus Operationen im Graubereich zwischen Krieg und Frieden. Norwegen steht vor der Herausforderung, Russlands provokative Aktionen entweder zu ignorieren oder sie scharf zu kritisieren.
Regierungschef Jonas Gahr Störe betont die unteilbare Zugehörigkeit Spitzbergens zu Norwegen. Diese Position spiegelt die Sorgen Dänemarks über Grönland wider.