Ein Streit zwischen der schweizerischen Bodensee-Schifffahrt (SBS) und ihren deutschen Pendants, den Bodensee-Schiffsbetrieben (BSB), hat die Schifffahrtsbeziehungen auf dem drittgrößten See Mitteleuropas belastet. Die SBS legt seit diesem Jahr nicht mehr im Hafen von Konstanz an – eine Stadt, die durch den Konflikt aus der Karte ihrer Route verschwunden ist. Benno Gmür, Verwaltungsratspräsident und Geschäftsführer der SBS, äußerte sich dazu in der “Thurgauer Zeitung”: “Die BSB wollten nie, dass wir in Konstanz anlegen. Jetzt haben sie gewonnen.” Traditionell betonen die Unternehmen am Bodensee ihre länderübergreifende Zusammenarbeit, doch nun offenbart dieser Streit bestehende Spannungen.
Der Konflikt begann im Vorjahr, als die SBS 5.441 Passagiere mit BSB-Tickets transportierte – aus Kulanz, wie Gmür erklärt. Erwartet wurde ein Entgegenkommen der BSB, doch stattdessen kam es zu keinerlei Zugeständnis seitens der Deutschen. Laut Gmür hat die SBS erbrachte Leistungen nicht entsprechend vergütet erhalten, was zur Vertragsauflösung führte.
Norbert Reuter, Geschäftsführer der BSB, behauptet jedoch eine gegenteilige Erzählung: Zwischen 2017 und 2023 sei es üblich gewesen, dass die SBS Passagiere mit BSB-Tickets kostenfrei beförderte. Die Kündigung dieser Vereinbarung durch Gmür Ende 2023 bleibt für Reuter unklar.
Der Streit hat historische Wurzeln, die bis ins Jahr 2006 zurückreichen, als SBS von den SBB übernommen wurde – trotz Interesse der Konstanzer Stadtwerke. Seitdem bestehen immer wieder Auseinandersetzungen, wie etwa der gemeinsame “See-Pass” zwischen BSB und österreichischen Vorarlberg Lines ohne Zustimmung der SBS zeigt.
Die Spannungen spiegeln sich auch in den vielfältigen Angeboten rund um den Bodensee wider – von verschiedenen Karten bis zur “Bodensee Card Plus”, die eine breite Palette an Dienstleistungen abdeckt. Die Internationale Bodensee Tourismus GmbH (IBT) versucht, im Angebot-Dschungel Orientierung zu bieten.
Die Politik könnte nun vermittelnd eingreifen: Die Internationale Parlamentarische Bodensee-Konferenz (IPBK) plant einen runden Tisch mit den beteiligten Unternehmen und Regierungsvertretern. Ziel ist eine einheitliche Tageskarte, doch die Herausforderung bleibt groß aufgrund der unterschiedlichen Währungen und Kaufkräfte.
Der jüngste Vorfall betrifft die Nutzung des Partyschiffs “Eurega”, das von den SBS für gastronomische Zwecke übernommen wurde. Die BSB werfen ihnen Vertragsbruch vor, was Gmür als “Kindergarten mit den Deutschen” bezeichnet. Trotz der Spannungen betont die IBT-Präsidentin Nina Hanstein, dass die Zusammenarbeit zwischen Ländern weiterhin gut sei, und Konstanz wird auch von anderen schweizerischen Betrieben angefahren.