Ein Forscherteam beobachtete über drei Jahrzehnte hinweg eine der größten bekannten Schimpansengruppen, die Ngogo-Gruppe, im Kibale-Nationalpark in Uganda. Diese Gruppe zählte zeitweise nahezu 200 Tiere und teilte sich nach Beobachtungen erstmals weltweit dokumentiert in zwei feindliche Lager auf, was zu innerartlicher Gewalt führte. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal “Science” veröffentlicht.
Die Gruppe war ungewöhnlich groß mit komplexen Cliquenbildungen und Hierarchien. Nach dem Tod mehrerer Tiere 2014 und der Übernahme der Führung durch ein neues Alphatier 2015 kam es zu einer Destabilisierung des sozialen Gefüges, was die Gruppe in die “Westgruppe” und die “Zentralgruppe” spaltete. Die neu entstandenen Fraktionen begannen sich zu bekämpfen.
Jane Goodall beobachtete in den 1970er Jahren ähnliche Vorgänge in Tansania, doch ihre Beobachtungen galten lange als Einzelfälle aufgrund mangelnder Daten. Die neue Studie widerlegt dies und zeigt, dass solche Konflikte nicht so selten sind.
Ab 2016 patrouillierten die männlichen Schimpansen der “Westgruppe” gezielt in Richtung der “Zentralgruppe”, was zur endgültigen Trennung der Gruppen im Jahr 2018 führte. Daraufhin folgten koordinierte Angriffe, bei denen mindestens sieben erwachsene Männchen und 14 Jungtiere ums Leben kamen.
Klaus Zuberbühler von der Universität Neuenburg merkt an, dass Schimpansen möglicherweise Rache kennen könnten. Sie vergessen nicht: Bei einem erneuten Zusammentreffen sind sie bereit zur Eskalation. Die Täter zielten gezielt auf einstige Weggefährten ab, die nun zu Feinden wurden.
Die Studie zeigt, dass soziale Beziehungen genügten, um eine Gemeinschaft zu spalten – ohne ethnische, religiöse oder ideologische Gründe. Dies wirft Fragen an gängige Erklärungsmodelle für menschliche Konflikte auf.
Die Forschungsergebnisse verdeutlichen Parallelen im Verhalten zwischen Schimpansen und Menschen, da beide unsere nächsten Verwandten sind. Die wesentliche Differenz liegt in der Fähigkeit des Menschen zu verstehen und durch Sprache oder Diplomatie Konflikte zu lösen, was jedoch oft nicht genutzt wird.
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