Trotz eines Zahlungsstopps durch die Schweiz fließen Mittel weiterhin in das Patriot-Flugabwehrsystem. Die USA haben dafür auf Finanzmittel zurückgegriffen, die eigentlich für den Kampfjet F-35 vorgesehen waren.
Rüstungschef Urs Loher bestätigte gegenüber SRF, dass bereits ein “tief dreistelliger Millionenbetrag” vom F-35-Projekt zu Patriot verschoben wurde. Aufgrund von Druck der US-Behörden darf er jedoch keine konkrete Summe nennen.
Dies ist über das Foreign Military Sales Program (FMS) möglich, wodurch die USA Rüstungsgeschäfte mit anderen Ländern abwickeln. Zahlungen für den F-35 und Patriot landen in einem gemeinsamen Schweizer Topf, aus dem bei Bedarf Mittel umgeschichtet werden können.
Loher bezeichnet diese Vorgehensweise als “sehr unbefriedigend”. Für das VBS entstehen dadurch zusätzliche finanzielle Herausforderungen, da Finanzierungslücken beim F-35-Projekt auftreten. Ende letzten Jahres musste das VBS daher bereits mehrere Dutzend Millionen Franken nachträglich an die USA überweisen, was die ohnehin knappe Kasse weiter strapaziert.
Den Zahlungsstopp verteidigt Loher jedoch als politisches Signal, da er eine offenere Kommunikation der US-Behörden bezüglich Verzögerungen beim Patriot-System nach sich zog. Auch im laufenden Jahr könnten weitere Mittel von F-35 auf Patriot übertragen werden.
Die Auslieferung des Patriot-Systems verzögert sich deutlich stärker als zuvor bekannt. Ursprünglich sollte die Auslieferung 2026 beginnen, nachdem die Schweiz vor vier Jahren Kaufverträge unterzeichnet hatte. Erste Verschiebungen wurden bekannt gegeben, indem der Ukraine Priorität eingeräumt wurde; im Februar 2026 folgte eine Verzögerungsankündigung um vier bis fünf Jahre.
Nach Recherchen von SRF könnte sich die Situation durch den Krieg mit dem Iran noch verschlechtern. Der weltweite Bedarf an Patriot-Systemen ist gestiegen, wodurch die Schweiz nun mit einer Verzögerung von mindestens fünf Jahren rechnen muss. Zuverlässige neue Zeitangaben aus den USA gibt es laut Bericht nicht.
Zudem sind höhere Kosten angekündigt worden. Die US-Behörden informierten das VBS im Februar 2026 über erhebliche Mehrkosten, die bis zu 50 Prozent betragen könnten und den Gesamtpreis des Systems von zwei auf etwa drei Milliarden Franken erhöhen würden.
Im Parlament gibt es Kritik. SVP-Ständerat Werner Salzmann äußerte gegenüber SRF seine Frustration, dass Geld trotz eines Zahlungsstopps einfach umgeleitet werde. FDP-Ständerat Josef Dittli wirft dem VBS vor, die Möglichkeit einer solchen Umgehung nicht erkannt zu haben.
SP-Nationalrätin Priska Seiler-Graf sieht ihre Forderung bestätigt, den Patriot-Kauf abzubrechen, um Rüstungskäufe in den USA möglichst zu vermeiden. Auch Salzmann äußert sich skeptisch gegenüber US-Verträgen und merkt an: “Es zeigen sich immer mehr Auslegungsprobleme bei FMS-Verträgen. Wir müssen gut überlegen, ob wir solche Verträge noch abschließen wollen.”
Das VBS verhandelt weiterhin mit den USA, um die Zahlungen für Patriot aufgrund der Lieferverzögerung später fällig zu machen. Ob dies gelingt, bleibt ungewiss. Loher selbst sagt: “Die Machtverhältnisse sind ziemlich klar.”