Im Februar 1897 überfielen britische Kolonialtruppen das Reich des Oba in Benin City, im heutigen Südwest-Nigeria. Ihr Ziel war die Unterwerfung und Plünderung von Land und Kulturschätzen. Der Palast des Obas wurde ausgeraubt; zahlreiche Messingreliefs, Ahnenfiguren und Elfenbeinschnitzereien gelangten nach Europa und fanden ihren Weg in Museen.
Fast 130 Jahre später kehren einige dieser Objekte zurück: Deutschland, Frankreich und die Niederlande haben bereits Restitutionen durchgeführt. Nun folgen auch drei Schweizer Museen mit der Rückgabe von insgesamt 28 Benin-Bronzen an Nigeria. Das Zürcher Völkerkundemuseum gibt 14 Stücke ab, das ethnografische Museum in Genf 3 und das Rietberg-Museum 11.
Esther Tisa Francini vom Rietberg-Museum erklärt, dass intensive Provenienzforschungen ergeben haben, dass die meisten Objekte aus dem britischen Raubzug stammen. Diese Rückgabe ist Teil eines langjährigen Bemühens um Gerechtigkeit und Anerkennung historischer Ungerechtigkeiten.
Die zurückgegebenen Objekte werden von der National Commission for Museums and Monuments in Nigeria übernommen, die eine Vereinbarung mit dem Königshaus hat. Während einige Werke aufgrund ihrer spirituellen Bedeutung im Palast des Obas verbleiben, sollen sie einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden.
Die Benin-Bronzen sind seit Jahrzehnten umstritten. Die britische Strafexpedition von 1897 machte den Unrechtskontext deutlich. Diskussionen über ihre Rückgabe wurden durch internationale Forderungen und Ausstellungen, wie die große Benin-Ausstellung in den Jahren 2007/2008, intensiviert.
Erst der Entscheid des französischen Präsidenten Emmanuel Macron von 2017, geraubte Kolonialgüter zurückzugeben, führte zu einem internationalen Umdenken. Die Schweizer Museen haben sich daraufhin entschlossen, ihre Sammlungen gemeinsam zu erforschen und Rückgaben als Option in Betracht gezogen.
Die Provenienzforschung hat sich in den letzten Jahren stark entwickelt, besonders durch die Auseinandersetzung mit kolonialer Vergangenheit. Obwohl die Schweiz nie Kolonialmacht war, besitzt sie zahlreiche Kunstschätze aus dem kolonialen Kontext.
Die Restitution Study Group in den USA kritisiert die Rückgaben an Nigeria und betont die Rolle des Sklavenhandels bei der Herstellung der Bronzen. Diese Komplexität wird nun im Dialog mit nigerianischen Partnern diskutiert, wobei alle Beteiligten ihre Geschichte selbst reflektieren müssen.
Die Schweiz ist nicht der Vorreiter in der Restitutionsfrage, hat aber Fortschritte gemacht und setzt auf kollaborative Verhandlungen. Die Rückgabe dieser Objekte verändert die Beziehungen zwischen Museen und Herkunftsländern und zeigt, dass gerechte Lösungen möglich sind.
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“content”: “Die Historikerin Esther Tisa von der Zürcher Rietberg-Museum hat eine bedeutsame Restitution eingeleitet, bei der drei Schweizer Museen insgesamt 28 Benin-Bronzen an Nigeria zurückgeben. Diese Objekte, die während des britischen Raubzugs von 1897 erbeutet wurden, sind Teil einer umfassenden Bemühung zur Korrektur historischer Ungerechtigkeiten.
Die Aktion ist ein Ergebnis langjähriger Forschungen und Zusammenarbeit mit nigerianischen Museen. Die Objekte werden an die staatliche Behörde National Commission for Museums and Monuments übergeben, wobei zehn der 28 Stücke als Leihgaben in der Schweiz verbleiben.
Trotz des Widerstands einiger Stimmen, die auf den Sklavenhandel und andere historische Fakten hinweisen, betont Esther Tisa, dass diese Restitution Teil eines globalen Wandels ist. Dieser Trend wurde durch Initiativen wie der von Emmanuel Macron 2017 verstärkt.
Die Schweiz, obwohl nie Kolonialmacht, besitzt viele koloniale Kunstwerke. Die Benin-Bronzen gelangten über verschiedene Kanäle ins Land und wurden erst in jüngerer Zeit intensiver auf ihren Herkunftskontext untersucht.
Die Restitution der Bronzen ist Teil eines größeren internationalen Dialogs, bei dem die Schweiz eine aktive Rolle einnimmt. Die Frage nach fairen Lösungen für koloniale Raubkunst wird nun auch von staatlichen Stellen unterstützt und gefördert.
Esther Tisa unterstreicht den Wert der Restitution nicht als Verlust, sondern als Möglichkeit, neue Erzählungen zu schaffen und historische Brücken zu stärken. Auch wenn die Benin-Bronzen für viele ein Symbol kolonialer Gewalt sind, sehen Experten in ihnen auch eine Chance zur Aufarbeitung und zum Neubeginn.
Die Rückgabe dieser Objekte symbolisiert einen Schritt hin zur Anerkennung historischer Ungerechtigkeiten und zur Korrektur derselben. Dabei bleibt die Diskussion um koloniale Vergangenheiten lebendig, mit der Erkenntnis, dass diese Prozesse komplex und vielschichtig sind.
Die Schweiz hat sich entschieden, eine Vorreiterrolle einzunehmen, indem sie aktiv Restitutionsprozesse unterstützt, sowohl im NS- als auch im kolonialen Kontext. Diese Schritte sind Teil eines umfassenderen Bemühens, die Provenienzen ihrer Sammlungen transparenter zu machen und gerechte Lösungen für alle Beteiligten zu finden.
Letztlich bleibt die Frage, wie solche Restitutionsprozesse zukünftig gestaltet werden sollen. Die Auseinandersetzung mit der kolonialen Vergangenheit ist ein laufender Prozess, in dem sich auch die Schweiz aktiv beteiligt, um historische Ungerechtigkeiten zu korrigieren und neue Verbindungen zu den Herkunftsländern zu schaffen.
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Fast 130 Jahre später kehren einige dieser Objekte zurück: Deutschland, Frankreich und die Niederlande haben bereits Rückgaben vorgenommen. Nun folgen drei Schweizer Museen diesem Beispiel: Das Zürcher Völkerkundemuseum restituiert 14 Stücke, Genfs ethnografisches Museum 3 und das Rietberg-Museum 11. Diese Sammlungen gehören der Stadt Zürich.
Esther Tisa Francini, Provenienzforscherin am Rietberg-Museum, hat als Co-Leiterin der Benin-Initiative Schweiz die Voraussetzungen für die Rückgabe geschaffen. Sie erklärt: «Wir haben festgestellt, dass diese Werke entweder gesichert oder sehr wahrscheinlich aus dem britischen Raubzug stammen.» Diese Objekte sind rituell extrem bedeutsam und bilden das kollektive Gedächtnis des Königtums Benin ab.
Die Rückgabe erfolgt an die National Commission for Museums and Monuments in Nigeria, welche mit dem Königshaus eine Vereinbarung getroffen hat. Von den 28 Objekten bleiben zehn als Leihgaben in der Schweiz. Die Restitution ist Teil eines langen Prozesses, zu dem auch nigerianische Museumsvertreter und Wissenschaftler beigetragen haben.
Trotz der Aussage des nigerianischen Präsidenten, die Benin-Bronzen seien nicht Eigentum des Staates, sondern des Königs von Benin, wird die Rückgabe als innernigerianische Angelegenheit betrachtet. Die Objekte werden in den Palast des Oba zurückkehren und später der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Die Debatte um die Benin-Bronzen ist eng mit ihrer kolonialen Entwendung durch die britische «Strafexpedition» verbunden. Seit Jahrzehnten wird ihre Restitution diskutiert, wobei Deutschland und Frankreich als Vorreiter gelten. Der internationale Druck für Rückgaben hat zugenommen, insbesondere nach der Ankündigung von Emmanuel Macron 2017.
Die Schweiz war trotz fehlender Kolonien in vielfältiger Weise mit dem Kolonialismus verbunden und besitzt viele koloniale Kunstschätze. Die Provenienzforschung hat sich verändert, was zur Restitution beigetragen hat. Esther Tisa Francini vom Museum Rietberg betont, dass die Schweiz international gut unterwegs ist.
Die Kommission des Bundes soll im Streit um belastetes Kulturerbe schlichten und fair Lösungen finden. Die Provenienzforschung prägt das Vorgehen sowohl in NS- als auch in kolonialen Kontexten. Öffentliche Sammlungen nehmen Restitutionsforderungen ernst, während Privatsammler schwieriger zu erreichen sind.
Trotz Befürchtungen um den Verlust von Exponaten betont Tisa Francini, dass die Geschichten hinter den Objekten der wahre Schatz seien. Die Restitution fördere neue Erzählungen und Verbindungen zu Herkunftsländern.
Die Kritik von Gruppen wie der Restitution Study Group in den USA zeigt die Komplexität der Geschichte um die Benin-Bronzen, einschließlich Sklaverei und Kunstfertigkeit. Die Auseinandersetzung damit bleibt eine innernigerianische Angelegenheit.