Die Dynamik zwischen Konkurrenz und Kooperation prägt die Beziehung der beiden Bahnbauunternehmen Stadler Rail und Siemens Mobility. Einerseits befinden sich die Firmen in Rechtsstreitigkeiten, wie bei der umstrittenen Vergabe von SBB-Aufträgen für neue Züge der Zürcher S-Bahn, wo Siemens den Auftrag erhielt, der Stadler 2 Milliarden Franken Umsatz eingebracht hätte. Trotz dieses Rückschlags konnte sich Stadler im Jahr 2025 mit einem Rekord-Auftragsbestand von über 32 Milliarden Franken behaupten und legte beim Bundesverwaltungsgericht Rekurs gegen die Entscheidung ein. Markus Bernsteiner, CEO von Stadler, äußerte sich enttäuscht, wünschte jedoch Klarheit.
Trotz der Rivalität finden sich beide Unternehmen zusammen bei besonders anspruchsvollen Projekten wieder, wie zum Beispiel in Kopenhagen und Berlin. In Kopenhagen entwickelte ein Gemeinschaftsunternehmen von Stadler und Siemens Wagen für eine vollautomatisierte S-Bahn im offenen System. Dieses Projekt ist das größte seiner Art weltweit und beläuft sich auf rund 3 Milliarden Euro. Ein weiteres Beispiel ist die Berliner S-Bahn, wo ein Konsortium aus Stadler, Siemens und der Deutschen Bahn einen Auftrag über 15 Milliarden Euro erhielt.
Solche Zusammenarbeiten sind komplex und erfordern spezialisierte Kenntnisse. Ansgar Brockmeyer von Stadler erklärt, dass solch einzigartige Projekte oft eine gemeinsame Entwicklung erfordern, da keiner der Partner allein über die notwendigen Ressourcen verfügt. In Kopenhagen etwa übernimmt Siemens die Mechanik und Bremstechnik, während Stadler den Waggonbau und die Endmontage betreut.
Diese Partnerschaften erfordern das Übergehen der üblichen Konkurrenz. Brockmeyer betont, dass innerhalb solcher Projekte keine Rivalitäten bestehen. Vielmehr geht es um eine professionelle Zusammenarbeit mit dem Ziel, den Auftrag zu gewinnen. Die seltenen Gelegenheiten zur Kooperation zeugen von einer Zeit vor 25 Jahren, als private Hersteller noch nicht die Entwicklungskompetenz besaßen und häufiger Konsortien bilden mussten.
Auch in Kaohsiung arbeiteten Stadler und Siemens zusammen, um eine neue Metrolinie zu realisieren. Solche großen Projekte, sogenannte Turnkey-Projekte, bieten große Chancen, bergen jedoch auch Risiken.
Stadler konnte mit zahlreichen Aufträgen den Betriebsgewinn steigern und plant die Dividende zu erhöhen, obwohl der Aktienkurs weiterhin unter dem Niveau von vor fünf Jahren liegt. Die SBB-Bestellung hätte das Unternehmen jedoch gerne selbst abgeschlossen.
Insgesamt zeigt sich in diesem Sektor eine pragmatische Balance zwischen Wettbewerb und Kooperation, die auf den spezifischen Anforderungen der Projekte basiert.