Inmitten des andauernden Luftkriegs gegen den Iran steht der amerikanische Präsident Donald Trump vor einer komplexen Entscheidungssituation: Wie weit darf er die Eskalation treiben, ohne unkontrollierbare Konsequenzen zu riskieren? Seit einem Monat führen die USA und Israel einen intensiven Luftkrieg gegen den Iran, bei dem der Revolutionsführer Ali Khamenei getötet wurde und die iranische Marine sowie Rüstungsindustrie stark beschädigt wurden. Doch strategisch haben diese Angriffe nicht viel erreicht; im Gegenteil, sie scheinen die Hardliner in Teheran gestärkt zu haben. Die Trump-Administration war gezwungen, Sanktionen gegen iranisches Erdöl aufzuheben, um den Ölmarkt zu stabilisieren. Der selektive Zugang zur Strasse von Hormuz hat Washington vor ein großes Problem gestellt, das es vor dem Krieg nicht kannte.
Derzeit stehen Trump kaum Optionen offen: eine massive Eskalation des Konflikts, eine Waffenruhe unter iranischen Bedingungen oder ein unilateral beendeter Luftkrieg. Rhetorisch hält er sich alle Möglichkeiten offen, indem er den Kriegsverlauf positiv darstellt und seine Ziele flexibel formuliert. Damit könnte er den Sieg unabhängig vom Ausgang verkaufen. Gleichzeitig droht er dem Iran mit noch größeren Luftangriffen.
Trump behauptet, dass Verhandlungen mit einem «neuen und vernünftigeren Regime» in Teheran laufen, wie er kürzlich auf Truth Social schrieb, und sprach von «großen Fortschritten». Doch sollte Iran nicht bald ein Abkommen zustimmen oder die Strasse von Hormuz öffnen, droht Trump mit der Zerstörung aller iranischen Elektrizitäts-, Öl- und Entsalzungsanlagen. Andererseits betonte er, dass der Zugang zur Meerenge nicht das Problem der USA sei, da die Vereinigten Staaten mittlerweile selbst Erdöl exportieren.
US-Außenminister Marco Rubio erklärte am Montag gegenüber al-Jazeera, dass die Strasse von Hormuz letztlich offen sein werde. Teheran fordert jedoch die souveräne Kontrolle über den Seeweg als Bedingung für ein Ende des Konflikts, eine Forderung, die laut Rubio nicht akzeptabel sei.
Ohne Atombombe verfügt der Iran immer noch über erheblichen Einfluss durch die Kontrolle der Strasse von Hormuz. Der Politologe Robert Pape formulierte daraufhin die strategische Frage: Können die USA einen feindlichen Erdölhegemonen mit nuklearen Materialien im Land zurücklassen?
Pape selbst ließ die Frage unbeantwortet, aber Trump steckt in einer ernsten Eskalationsfalle.
Um Druck auf den Iran auszuüben, verlegt Trump Bodentruppen in den Nahen Osten. Etwa 7000 Marines und Fallschirmspringer werden zu den bereits stationierten 40 000 US-Soldaten hinzugefügt. Doch Pape meint, dass diese Zahl nicht für eine langfristige Besatzung ausreiche.
Sollte der Iran die Kontrolle über die Strasse von Hormuz behalten und Wegzölle verlangen, könnte er die Golfstaaten sowie europäische und asiatische Verbündete der USA zu Zugeständnissen zwingen. Laut Yaroslav Trofimov vom «Wall Street Journal» würde Iran so seine Position im Nahen Osten stärken.
Um eine Eskalation des Konflikts zu verhindern, haben Pakistan und China einen Fünf-Punkte-Plan für einen Waffenstillstand und Friedensverhandlungen vorgelegt. Doch selbst in Verhandlungen dürfte Iran den USA kaum mehr Zugeständnisse machen als vor dem Krieg.