Ein künstlich erzeugtes Video zeigt Peter Magyar, den Oppositionsführer Ungarns, in einem dunklen Raum während eines Anrufs auf einem knallroten Telefon. Die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen befiehlt darin Geldtransfers nach Ukraine anzuordnen. Das Video ist geschickt gefertigt, aber als Fälschung erkennbar. Verbreitet wurde es durch regierungsfreundliche Medien und sogar vom Premierminister Viktor Orban selbst, wo es Millionenaufrufe erhielt.
Ein anderes Video präsentiert sich authentischer. Darin äußert Magyar fiktive Aussagen über Gelder aus der Ukraine – Behauptungen die er nie gemacht hat. Solche KI-generierten Videos sind in Ungarn im Moment allgegenwärtig.
Szilard Teczar, Chefredakteur von “Lakmusz”, einer Faktencheck-Webseite, merkt an: Selbst wenn man erkenne, dass ein Video künstlich sei, könne es das Unterbewusstsein beeinflussen – bedingt durch seine realistische Darstellung. KI-generierte Videos sind nur eines von vielen Mitteln zur Beeinflussung. Der öffentliche Raum ist voller Plakate und Botschaften, die suggerieren, die Opposition werde aus Brüssel und der Ukraine gesteuert und wolle Ungarn in einen Konflikt stürzen. Diese Narrative werden auch von staatlich kontrollierten Medien verbreitet.
Einzigartig an Ungarn ist laut Teczar, dass Fake News nicht nur auf obskuren Webseiten kursieren, sondern auch durch Mainstream-Medien und sogar staatliche Kanäle.
Ungarn hat russische Agenten vor Ort. Laut dem Experten für Desinformation sei deren Präsenz jedoch redundant: Die Regierung verbreite bereits Narrative, die der russischen Propaganda ähneln. Vielleicht ist ihre Anwesenheit ein Zeichen von Verzweiflung, so Teczar. Magyar und seine Partei liegen in Umfragen stets vorne.
Magyars Opposition verbreite zwar verzerrte Statistiken oder Halbwahrheiten, sagt Teczar, aber keine Fälschungen und Manipulationen. Magyar setzt auf direkte Begegnungen mit der Öffentlichkeit.
Auf Social Media zeigt sich Magyar ebenfalls erfolgreich. Obwohl die Regierungspartei mehr Inhalte veröffentlicht, erzielt die Opposition laut Teczar stärkere Resonanz.
Besonders bei jüngeren Wählern hat Orban auf Social Media an Boden verloren. Andere Gruppen wie ältere Menschen oder Landbewohner könnten jedoch durch Angst vor äußeren Bedrohungen beeinflusst werden, so die Regierungskampagne.
Orban setzt auch auf Methoden der hybriden Kriegsführung: Im März beschlagnahmte eine Antiterror-Einheit in Budapest einen ukrainischen Geldtransporter. Die Regierung deutete an, das Geld sei für die Opposition bestimmt.
An Ostern wurden Sprengstoffspuren nahe einer serbisch-ungarischen Gas-Pipeline entdeckt. Orban richtete den Verdacht auf die Ukraine, obwohl der serbische Militärgeheimdienst dies ausschließt.
Dieses Durcheinander verwirrt die Bevölkerung, wie Teczar feststellt: Die einen fürchten russische Einmischungen, andere befürchten Brüssel und Kiew. So wird ein normaler demokratischer Dialog erschwert.
Die Wahl findet am 12. April statt.