In Brig-Glis VS, hoch oben in einem Baum, schreit ein Mann eindringlich «Achtung!». Gesichert an einem Seil, hält er eine kleine Säge. Zehn Meter tiefer macht sein Kollege einen Schritt zur Seite, blickt nach oben und bestätigt: «Güet!» Ein trockener Ast fällt zu Boden.
René Werlen, Leiter der Stadtgärtnerei, erklärt, dass die abgestorbenen Äste eine Gefahr darstellen. Der extreme Schneefall im April 2025 hat noch immer Auswirkungen, wobei Förster und Gärtner im ganzen Kanton beschäftigt sind, die Schäden zu beheben. «Die Folgen werden uns in Brig noch Jahre beschäftigen», so der Stadtgärtner.
Im April 2025 fiel kurz vor Ostern erheblich viel Schnee und verursachte Chaos: Straßen wurden gesperrt, Schulen geschlossen, und abgelegene Seitentäler von der Außenwelt abgeschnitten. Die Behörden riefen eine «besondere Lage» aus und warnten vor Lawinen und umstürzenden Bäumen.
Die Schneemassen überforderten nicht nur die Bäume in Brig, sondern führten auch zu erheblichen Waldschäden im Kanton. Die Wiederherstellung könnte Jahrzehnte dauern, wobei der Kanton die gesamte Schadholzmenge auf 140’000 Kubikmeter schätzt – das entspricht einer Jahresproduktion der Walliser Forstwirtschaft.
Zudem entstanden Schäden an Kantonsstraßen, Seitengewässern und am Rhoneufer. Der Kanton hat rund 20 Millionen Franken für Reparaturen eingeplant.
Der Ausfall von Strom, Mobilfunknetz und dem nationalen Funksystem Polycom traf besonders die Seitentäler wie das Matter- und Saastal hart. Die Dörfer waren isoliert – weder per Auto noch per Telefon oder E-Mail erreichbar. Bäume fielen auf Hochspannungsmasten, was den Stromausfall verursachte, der wiederum Polycom-Antennen lahmlegte.
Diese Antennen sind zwar mit Batterien ausgestattet, deren Laufzeit jedoch nur einige Stunden beträgt. Danach werden Diesel- oder Benzingeneratoren eingesetzt, die vom Zivilschutz mit Treibstoff versorgt werden müssen – eine Herausforderung, da Wege unpassierbar waren.
Bernd Kalbermatten, Gemeindeschreiber von Saas-Fee und Kantonsparlamentarier, bemerkt: «Zum Glück gab es keine Notfälle in dieser Zeit.» Er hat eine parlamentarische Vorstoss eingereicht, um die Regierung zum Handeln zu bewegen.
Regierungsrat Stéphane Ganzer entgegnet: «Wir haben 16 kritische Standorte ausgerüstet und vergeben derzeit Ausschreibungen für den Ausbau von über 100 Antennen.»
In Brig sind die Stadtgärtner wieder im Einsatz, zerkleinern beschädigte Äste zum Abtransport. Über 550 Bäume in der Stadt sind stark geschädigt – ein Viertel aller städtischen Bäume.
Stadtrat Christian Gasser prognostiziert: «Die Folgen des Aprilschnees werden uns bis 2030 beschäftigen, mit Kosten von über 650’000 Franken.» Die Arbeiten der Stadtgärtnerei sind damit noch lange nicht abgeschlossen.