In Bern wird durchaus anerkannt, dass künstliche Intelligenz (KI) zu einer Verstärkung der Marktmacht von Technologiegiganten wie Google beitragen kann. Dennoch hebt die Wettbewerbskommission (Weko) in ihrer jüngsten Stellungnahme hervor, welche positiven Aspekte KI mit sich bringt.
Patrik Ducrey, Leiter des Sekretariats der Weko, das unter anderem für kartellrechtliche Verfahren zuständig ist und die Entscheidungen vorbereitet, betont: «KI ermöglicht den Aufbau neuer Geschäftsmodelle. Sie vereinfacht Prozesse und erlaubt effizientere Abläufe. Zudem kann sie Routinearbeiten übernehmen, die bisher von Menschen verrichtet wurden, wodurch diese für andere Tätigkeiten freigesetzt werden könnten.»
Die Weko ist eine Milizbehörde mit 12 vom Bundesrat ernannten Fachleuten, darunter Ökonomen wie Rudolf Minsch und Isabel Martinez, die regelmäßig öffentliche Stellungnahmen abgeben. Das Sekretariat der Weko führt Untersuchungen durch; es beschäftigt dazu 71 Mitarbeiter.
Besonders kleinere Unternehmen könnten von KI profitieren, meint Ducrey, ohne konkrete Beispiele zu nennen: «Für KMU eröffnet sich die Chance, verstärkt im Wettbewerb aufzutreten und ihre Produkte über lokale oder regionale Märkte hinaus anzubieten. Zudem wird Produktentwicklung und Programmieren vereinfacht.»
Während die Weko üblicherweise gegen unlauteren Wettbewerb einschreitet, standen im Rahmen der Präsentation des Jahresberichts die Entwicklungen in KI-Technologien im Mittelpunkt. Der Bericht dokumentiert 18 Untersuchungen, 8 Vorabklärungen sowie 43 Marktbeobachtungen.
Es wurden acht Verfahren abgeschlossen, betreffend Ticketing, Breitbandvernetzung, Reisebranche, Bauwesen, Detailhandel, Kartengebühren, Automobilindustrie und Gesundheitswesen. Die Kommission untersagte drei Praktiken, genehmigte den Zusammenschluss von Hotelplan und Dertour, beendete zwei Untersuchungen und regelte ein Verfahren ohne Bußgelder.
Während die Schweiz keine spezielle Expertenkommission für Wettbewerb und KI wie Deutschland hat – wo eine solche 2022 eingerichtet wurde – betont Ducrey, dass ähnliche Formate durch universitäre Forschung existieren. Die Weko sieht jedoch auch Risiken: Unternehmen könnten sich weiter konsolidieren oder Algorithmen missbräuchlich einsetzen, um Preise abzustimmen.
Dennoch hält Ducrey fest: «Die Vorteile überwiegen. Es gibt zahlreiche positive Anwendungsmöglichkeiten von KI für Unternehmen und die Wirtschaft.»