Die Mailänder Scala hat mit ihrer neuen Kleiderordnung für Diskussionen gesorgt. «Das Publikum wird gebeten, dem Anstand des Theaters entsprechende Kleidung zu wählen», so die Direktion. Zudem können Gäste in unpassender Garderobe verwiesen werden. Intendant Dominique Meyer setzt mit dieser Regelung auf Tradition und trotzt damit einem allgemeinen Trend zur lässigeren Freizeitkleidung, der «Casual Wear». Ursprünglich hatte er das Opernhaus für ein breiteres Publikum öffnen wollen. Doch musste er dem Druck von «Loggionisti», den leidenschaftlichen Stammzuschauern auf den oberen Rängen, nachgeben. Diese vermissen es nicht, wenn Touristen in Flip-Flops und Shorts die Bühne betreten. Ein anderes Bild zeigt sich im Opernhaus Zürich: Hier sind sämtliche Kleiderstile willkommen – vom Abendkleid bis zur Jeans mit Wanderschuhen. Auch das Lucerne Festival verzichtet auf eine offizielle Dresscode-Politik, obwohl früher noch «Abendgarderobe erwünscht» stand. Die Pressesprecherin eines Schweizer Opernhauses äußerte sich mir gegenüber: «Um junge Leute anzuziehen, sollte der Dresscode aufgegeben werden.» Doch ist diese Annahme korrekt? Tatsächlich beobachte ich einen gegenteiligen Trend – viele junge Besucher erscheinen in feiner Abendgarderobe und genießen Selfies vor dem nostalgischen Ambiente. Für exzentrische Opernbesuche eignet sich das Bayreuther Festspielgelände, wo neben kostspieligen Roben auch fantasievolle Kostüme zu sehen sind. Ein Gegensatz zur Scala, wo Eleganz gefordert ist. Persönlich ziehe ich für Opernaufführungen meist ein elegantes Outfit vor – Cocktailkleid und Pumps mit einem extravaganten Accessoire. Als Musikjournalistin könnte ich genauso gut in schlichter Kleidung erscheinen. Ich liebe Mode, halte Dresscodes jedoch im klassischen Konzert für überholt. Radio SRF 1, Treffpunkt, 8.4.2026, 10:03 Uhr