Unser Bauch ist oft ein Spiegel unserer Gefühle – sei es Schmetterlinge bei der Liebe, Kribbeln vor einer Party oder Enge durch Angst. Doch die Prozesse in unserem Verdauungssystem ziehen sich gerne hinter einen Vorhang des Schweigens zurück. Oft werden Verdauungsprobleme verschwiegen, während über andere Gesundheitsfragen offen gesprochen wird. Dies kann jedoch gefährlich sein, vor allem wenn im Alter Magen- und Darmerkrankungen auftreten.
Mit den Jahren verlangsamt sich die Verdauung. Man spürt häufiger eine Schwere im Bauch, Schlucken fällt schwerer, und der saure Reflux wird zum ständigen Begleiter – der Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre. Besonders verbreitet ist bei Älteren eine unregelmäßige Darmentleerung bis hin zu Verstopfung. Blutspuren im Stuhl können Alarm auslösen, sind jedoch nicht immer ein Zeichen für ernsthafte Probleme.
Valentin Goede, Onkologe und Geriater am Altersmedizinischen Zentrum Köln, erklärt: “Es ist normal, dass die Darmtätigkeit weniger regelmäßig wird. Vom zwei- bis dreimal täglichen Gang zur Toilette bis hin zu einer Entleerung alle drei Tage sind alles normale Variationen im Alter.” Die Angst, eine Verstopfung könne in einen Darmverschluss münden, sei meist unbegründet.
Hingegen kann das rasche Hochkommen von Speisen oder Husten nach dem Schlucken auf einen Speiseröhrentumor hindeuten. Diese Tumore sind selten, treten aber häufiger ab etwa 70 Jahren auf. Auch im Magen können sich Geschwüre bilden, wenn eine Entzündung der Schleimhaut nicht rechtzeitig erkannt wird. Die häufigste Ursache ist das Bakterium Helicobacter Pylori.
Die größte Angst besteht jedoch bei Krebs im Dickdarm – einer der häufigsten Tumore bei Frauen und Männern, die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache in Deutschland und der Schweiz. Trotz eines gesunden Lebensstils kann Krebs entstehen, wobei genetische Faktoren oder Polypen eine Rolle spielen. Glücklicherweise sind es Jahre, bis aus einem harmlosen Polyp ein bösartiger Tumor wird.
Eine Darmspiegelung ab 50 (bei Männern) beziehungsweise 55 Jahren ist entscheidend für die frühzeitige Entdeckung und Entfernung von Polypen. Bei positivem Befund sollten sich Patienten alle drei bis fünf Jahre untersuchen lassen. Diese Methode gilt als eine der wirksamsten Krebsfrüherkennungsstrategien.
Da Magen- und Speiseröhrenkrebs seltener sind, gibt es kein festgelegtes Screening. Jedoch kann bei einer Darmspiegelung auch die Magenspiegelung durchgeführt werden. Symptome wie Bauchschmerzen oder Übelkeit machen eine solche Untersuchung notwendig.
Blutanalysen können ebenfalls Hinweise auf Geschwüre im Verdauungstrakt geben, indem sie Entzündungs- und Eisenwerte sowie Vitaminmangel feststellen. Ultraschalluntersuchungen sind einfache Methoden zur Erkennung von Geschwülsten in anderen Bauchorganen.
Bei anhaltenden Schmerzen oder unklaren Symptomen können CT- oder MRT-Untersuchungen Klarheit schaffen, sollten jedoch nicht routinemäßig durchgeführt werden. Die Strahlungsbelastung bei einer CT und die Kosten sowie Dauer einer MRT sind zu berücksichtigen.
Da viele Magen-Darm-Probleme frühzeitig erkannt werden können, lohnt es sich, regelmäßig auf mögliche Anzeichen im Bauch zu achten.