Elon Musk und Tesla haben die Strassen als Experimentierfeld für ihr autonomes Fahrsystem genutzt, wie ein gigantisches Datenleck offenbart hat. Tausende schwerwiegende Vorfälle wurden von Tesla verschwiegen, bei denen Fahrerinnen und Passagiere sowie Dritte ums Leben kamen. Seit Jahren war dem Unternehmen die Unzulänglichkeit seines Systems bekannt – Informationen, die durch das massive Datenleck ans Licht kamen. Ein Insider meldete sich Ende 2022 beim deutschen «Handelsblatt» und initiierte somit den Informationsfluss. Die geleakten Dokumente enthalten zahlreiche Kundenbeschwerden, über 2400 davon betreffen spontane Beschleunigungen, während es mehr als 1000 Unfälle gab. Viele dieser Fälle wurden als «ungelöst» markiert. Bei einigen Tesla-Modellen kam es zu unerklärlichen plötzlichen Beschleunigungs- oder Bremsvorgängen, die in der KI-Gemeinschaft als «Halluzinationen» bezeichnet werden – vergleichbar mit falschen Antworten eines Chatbots. Diese Fehlfunktionen können auf den Strassen verheerende Folgen haben, da das autonome System seine Umgebung irrtümlich deuten kann und bei hoher Geschwindigkeit tödliche Unfälle verursacht. Im vergangenen Sommer wurde Tesla in den USA zu einer Strafe von über 240 Millionen Dollar verurteilt. Der Fall betraf die Familie der 22-jährigen Naibel Benavides, die durch einen Autopilot-unterstützten Tesla ums Leben kam, als er das Fahrzeug ihres Lebensgefährten rammte. Dieser wurde schwer verletzt und leidet bis heute darunter. Im Dokumentarfilm von RTS beschrieb der Überlebende sich selbst als «Versuchskaninchen». Die Familie Benavides warf Tesla vor, entscheidende Informationen zurückgehalten zu haben. Tesla entlastete den Fahrer und behauptete bei Ermittlungen über die Unfalldaten in der Blackbox des Fahrzeugs, diese seien beschädigt worden. Opferanwälte konnten mit Experten verlorene Daten wiederherstellen, was zeigte: Tesla war bereits am Unfallabend von der Fehlfunktion informiert. Das Fahrzeug erkannte die Hindernisse im Autopilot-Modus, unternahm jedoch keine Maßnahmen zur Kollisionsvermeidung und gab nur kurz vor dem Aufprall eine Warnmeldung ab. Die Geschworenen in Florida sprachen Tesla und dem Fahrer Mitschuld an der Tragödie – ein erstes Urteil dieser Art. Im Februar bestätigte ein Bundesrichter das Urteil, gegen das Tesla Berufung einlegen kann. In den USA laufen mehrere Untersuchungen gegen Tesla, darunter eine vom Justizministerium zur Prüfung von Verbrauchertäuschungen und von der nationalen Behörde für Strassenverkehrssicherheit. Experten prognostizieren weitere Gerichtsverfahren. Whistleblower gaben zu Protokoll, dass Tesla die schnelle Entwicklung des Autopiloten über Sicherheitsaspekte stellte, obwohl Warnungen von Angestellten vor den Gefahren bestanden. Trotzdem wurde die Testversion auf den Markt gebracht.