Das Frauengefängnis La Tuilière in Lonay bei Morges, erbaut in den 1990er-Jahren, ist bekannt für seine langen und düsteren Gänge sowie die seltenen, vergitterten Fenster. Es bietet Zellen von etwa 13 Quadratmetern mit eigenem Bad an. Auch Zweierzellen bleiben Teil des Angebots, wie Raphael Brossard vom Strafvollzug im Kanton Waadt betont.
Rund ein Dutzend der 75 inhaftierten Frauen sind wegen eines Tötungsdelikts verurteilt worden; andere haben mit Drogen gehandelt oder Hausfriedensbruch begangen. Allen Müttern gemeinsam ist die Möglichkeit, ihre Kinder bis zum dritten Lebensjahr im Gefängnis zu behalten und sich danach regelmäßig zu treffen.
Um den Aufenthalt für Familien angenehmer zu gestalten, wird das Gefängnis umgebaut: Die Zellen für Mütter mit Kindern wurden erneuert. Ein kindergerechtes Begegnungszimmer wurde geschaffen, in dem die Sicherheitsvorkehrungen minimiert sind. Vassilis Venizelos, der Waadtländer Regierungsrat, betont, dass Kinderrechte immer an erster Stelle stehen.
Die Zellen empfangen nun viel Tageslicht und verfügen über bunte Möbel sowie Spielzeug. Ziel ist es, eine Umgebung zu schaffen, die den Kindern ein Gefühl von Normalität bietet. “Damit die Mutter-Kind-Beziehung trotz der Umstände so eng wie möglich wird”, erklärt Venizelos.
Maria, deren richtiger Name nicht genannt werden soll, ist ebenfalls im Gefängnis inhaftiert, obwohl sie keine Kinder hat. Sie beschreibt sich selbst als ehemals alkoholabhängig und betont ihren Wunsch, ihr Leben neu zu ordnen. Heute beginnt sie ihren Tag um 5:30 Uhr mit Musik, arbeitet in der Wäscherei und lernt Informatik, Psychologie sowie Bibelstudien.
Sie sieht sich darauf vorbereitet, nach ihrer Haftzeit ein neues Leben anzufangen. Maria lobt die gute Ausstattung des Gefängnisses und beschreibt ihre Erfahrung als bereichernd. Die strukturierten Tagesabläufe sollen den Frauen helfen, ihren Platz im Leben wiederzufinden.