In dieser Woche steht im Rahmen des deutsch-französischen Future Combat Air Systems (FCAS) eine entscheidende Abstimmung an. Dieses ambitionierte Projekt, das bis Mitte der vierziger Jahre die Luftstreitkräfte Deutschlands, Frankreichs und Spaniens prägen soll, steht aufgrund technologischer Entwicklungen unter Druck. Während Deutschland und Frankreich seit Jahren um die Führungsrolle ringen, fliegen in den USA bereits Prototypen unbemannter Kampfflugzeuge. Die Zukunft des Luftkriegs scheint sich schneller zu wandeln als das FCAS-Projekt vorankommt. Ein bayrisches KI-Unternehmen plant sogar, bis 2029 einen autonomen und KI-gesteuerten unbemannten Jet einzusetzen. Vor diesem Hintergrund steht im deutschen Kanzleramt die Frage an, ob das Milliardenvorhaben fortgeführt oder neu ausgerichtet werden soll. Das FCAS ist kein klassisches Rüstungsprojekt: Es zielt darauf ab, ein vernetztes System der Lüfte zu entwickeln. Im Mittelpunkt steht zwar ein bemannter Jet – der New Generation Fighter – doch dieser bildet nur einen Teil eines größeren Verbunds aus Drohnen und digitalen Gefechtsnetzwerken. Die Differenzen zwischen Berlin und Paris reichen jedoch tiefer: Deutschland konzentriert sich auf die Interoperabilität innerhalb von Nato-Strukturen, während Frankreich strategische Autonomie, insbesondere in der nuklearen Abschreckung, priorisiert. Diese unterschiedlichen Ansichten erschweren eine Einigung. In den USA entwickelt man unter dem Projekt Next Generation Air Dominance ebenfalls unbemannte Kampfflugzeuge als zentrale Elemente des Luftkriegs der Zukunft. Ebenso arbeiten China und andere Länder an vergleichbaren Systemen, wobei die chinesischen Entwicklungen weniger bekannt sind. Russland verfolgt eine andere Doktrin mit einem Fokus auf bemannte Flugzeuge und Abstandswaffen, ohne ein ähnliches „System of the System“-Konzept zu verfolgen. Diese verschiedenen Herangehensweisen unterstreichen zwei unterschiedliche Modelle des Luftkriegs. Deutschland steht nun vor der Wahl, wie es mit FCAS fortfahren soll. Die Entscheidung wird zeigen, ob das Land die Dynamik und Anforderungen des zukünftigen Luftkriegs versteht. Es bleibt abzuwarten, welcher Weg gewählt wird: Entwickelt Deutschland den idealen Jet oder ein System, das in einer von Drohnen dominierten Welt bestehen kann.