In Deutschland ist der kommerzielle Weg, ein Kind zu bekommen, aus triftigen Gründen verboten. Gewählte Abgeordnete sollten dieses Gesetz nicht unterlaufen.
Betrachten wir folgendes Szenario: Ein wohlhabendes deutsches Paar macht einer in Idaho lebenden Frau, die finanzielle Probleme hat, ein Angebot, das ihre Sorgen auf einen Schlag löst. Der Hauskredit wäre abbezahlt und die Kinder könnten studieren. Im Gegenzug verlangt man eine Niere.
Ein solcher Vorschlag würde Empörung auslösen. Organhandel ist fast weltweit untersagt, da er als Paradebeispiel für unmoralische Geschäfte gilt, bei denen Bedürftige ausgebeutet werden.
Trotz unterschiedlicher Umstände herrscht über das Thema Leihmutterschaft auffällig wenig Aufregung. Dies bezeichnet den Prozess, bei dem Einzelpersonen oder Paare bezahlen, damit eine Frau ihr Kind austrägt und es nach der Geburt abgibt. In den USA startet die Preisliste für ein Baby bei etwa 110.000 Dollar.
Der Ablauf sieht so aus: Eine Frau spendet Eizellen, diese werden mit dem Samen des zukünftigen Vaters befruchtet und in eine andere Frau eingesetzt, die das Kind austrägt. Für Agenturen hat sich daraus ein lukratives Geschäft entwickelt.
Obwohl es im Vertrag steht, erzeugt die Trennung von Mutter und Neugeborenem bei den meisten Menschen berechtigtes Unbehagen. Diejenigen, die Zweifel an der vollständigen Freiwilligkeit des Arrangements äußern oder dessen Auswirkungen auf das Kind reflektieren, werden schnell als rückständig abgestempelt. Verteidiger der Praxis fragen: «Ist nicht jeder dazu berechtigt, eine eigene Familie zu gründen?» Auch viele Medien äußern sich überraschend ohne Bedenken.
Die größte deutsche Boulevardzeitung berichtet begeistert von «Baby-Glück bei Hendrik Streeck», während die Deutsche Presse-Agentur nüchterner meldet: Der Virologe und Abgeordnete Hendrik Streeck sowie sein Ehemann sind Eltern geworden. Wie das Kind zustande kam, bleibt offen. Die Umstände sprechen dafür, dass eine Leihmutter beteiligt war. «Bild»-Zeitung berichtet: «Ihr Kind wurde im US-Bundesstaat Idaho geboren, wo sich die Familie noch aufhält und den Pass des Nachwuchses erwartet.» Streeck wollte gegenüber «Apollo News» aus Gründen der Privatsphäre keine Details nennen.
Hendrik Streeck, Virologe und CDU-Abgeordneter, hat diese Methode nicht offiziell bestätigt. Er wäre jedoch nicht der erste Politiker. 2023 griff bereits SPD-Politiker Johannes Arlt auf eine Leihmutter zurück. Ein in Deutschland geborenes Kind wird meist geduldet.
In Deutschland und der Schweiz ist die Praxis verboten, was gerechtfertigt ist. Es gibt zwar positive Fälle, aber auch abscheuliche Geschichten über das dunkle Gesicht der Industrie – vergleichbar mit dystopischen Romanen wie Margaret Atwoods «Der Report der Magd». Die«New York Times»berichtet von Frauen in Thailand, die für Agenturen rekrutiert und nach Georgien gebracht werden. Dort erleben sie ein perfides System: Pässe werden beschlagnahmt, Medikamente verabreicht ohne Erklärung, Widerstand wird bestraft.
Obwohl man argumentieren könnte, dass genügende Regulierung das Problem löst, bleiben wirtschaftliche Zwänge bestehen. Einmal eingewilligt, tragen die Frauen Risiken und drohende Vertragsstrafen bei einem Rückzieher.
Es ist naiv zu glauben, menschliche Reproduktion könne ohne Risiko für Mutter und Kind vermarktet werden. Oft sind es nicht die Vertreterinnen der oberen Mittelschicht, die sich als «altruistisch» anbieten.
Ein so bedeutender Moment wie die Geburt eines Kindes sollte keinem Verdacht unterliegen, Ware oder Dienstleistung zu sein. Die Leihmutterschaft ist genau das. Deshalb lehnt auch die CDU eine Legalisierung ab, da sie mit «erheblichen ethischen, rechtlichen und praktischen Bedenken» verbunden sei.
Wenn Repräsentanten der Regierung Gesetze umgehen, um ihren Kinderwunsch zu erfüllen, gefährden sie den Glauben an den Rechtsstaat. Wer das Verbot ablehnt, sollte es politisch angehen. Es bleiben legale Alternativen wie Adoption in Deutschland. Das Umgehen des Verbots ist für Abgeordnete keine Option.