Für die Sozialdemokraten ist es eine erfreuliche Nachricht, für die Politik hingegen eine Warnung: Der anhaltende Konkurrenzkampf um mediale Aufmerksamkeit verändert das politische System. Ende November teilte Mattea Meyer, Co-Präsidentin der zweitgrößten Partei des Landes, mit, dass sie «eine große Erschöpfung» verspüre und sich dazu entschlossen habe, rechtzeitig «die Notbremse zu ziehen», wie sie in den sozialen Netzwerken verlauten ließ. Kurz darauf publizierten Medien Listen von Politikern, die einen Burnout erlitten oder eine Auszeit genommen hatten – oftmals stand der Name des ehemaligen FDP-Ständerates Rolf Schweiger an der Spitze dieser Auflistungen. Ähnlich wie Meyer war auch er Co-Präsident gewesen und hatte nach seiner Wahl ein Amt niedergelegt, da er öffentlich über seinen Burnout berichtete und somit ein Tabu brach. Wenige Tage später widmete sich der «Club» von SRF diesem Thema in einer Sendung, während die Wintersession 2004 bereits begonnen hatte.
Nun, fast fünf Monate nach ihrem Rückzug aus dem Rampenlicht, kündigte Meyer in einem Interview mit den Tamedia-Zeitungen ihre Rückkehr als Nationalrätin und Co-Präsidentin der SP an. Sie werde die Arbeit «aber anders als vorher» wieder aufnehmen.
Als sie 2016 gemeinsam mit Cédric Wermuth ins Parteipräsidium gewählt wurde, war das ein Novum für eine Bundesratspartei und versprach eine bessere Work-Life-Balance. Doch die Übernahme erfolgte zu einem schwierigen Zeitpunkt: Die Grünen waren 2019 bei den nationalen Wahlen stärkste Kraft geworden, zulasten der SP. Heute hat sich das Blatt gewendet – während die Grünen in den letzten kantonalen und nationalen Wahlen verloren, konnte die SP leicht zulegen.
Dieser Trend wird von vielen Beobachtern auf die Arbeit Meyers und Wermuths zurückgeführt. Die SP setzt im Gegensatz zu vielen anderen Parteien Mitteleuropas einen klaren Linkskurs um, was ihr unter den aktuellen Co-Präsidenten zugute kam.
Besonders effektiv ist der Einsatz sozialer Netzwerke: Wöchentlich erscheinen neue Reels – ein Format, das andere Parteien erst ausprobieren. Zudem produzieren Meyer und Wermuth einen eigenen Podcast mit Diskussionen über aktuelle Themen, Politik im Parlament sowie persönlichen Einblicken in ihr Familienleben. Ihre Sendung tourt durchs Land und macht Politik zu einem Event.
Diese Formate brachten jedoch nicht nur Aufmerksamkeit, sondern auch zusätzliche Belastungen mit sich. Der ehemalige FDP-Präsident Franz Steinegger hatte Parteipräsidium einst als «verschissenen Job» bezeichnet – eine Einschätzung, die er 2023 revidierte: Die Anforderungen würden immer verschärfter.
Mattea Meyer hat sich für ihre Rückkehr entschieden und plant, ihre Aufgaben künftig zu priorisieren. Trotz ihrer Rückkehr wird im Bundeshaus wenig anders werden. Sollte die Zahl der eingereichten Vorstöße weiter steigen, wächst auch die Pendenzenliste des Parlaments. Kommt es zu Verzögerungen, sind Sondersessionen mittlerweile Normalität geworden – die nächste beginnt bald.