Bananen gehören in der Schweiz zu den populärsten Früchten und werden vornehmlich aus Lateinamerika importiert. Eine der weltweit führenden Produzentinnen ist Chiquita, deren Bananen allerdings seltener im Detailhandel zu finden sind. Trotzdem verfügt der Konzern über einen wichtigen Hauptsitz in Etoy nahe Lausanne. Die Schweizer Nichtregierungsorganisation Public Eye fordert nun von Chiquita dringend Maßnahmen gegen Missstände auf deren Plantagen im südlichen Guatemala, die das Nachhaltigkeitslabel der Rainforest Alliance tragen.
Ein Field-Reporter von Public Eye hat diese Plantagen besucht und berichtet über mehrere Missstände. Die NGO verlangt von Chiquita eine konsequente Umsetzung ihrer Sorgfaltspflicht als Arbeitgeberin, um die Verhältnisse zu verbessern, und sieht ebenfalls die Rainforest Alliance in der Verantwortung, da diese sich für nachhaltige Landwirtschaft und faire Arbeitsbedingungen einsetzt.
Chiquita hat auf mehrere Anfragen von Public Eye und SRF keine Stellungnahmen abgegeben. Im Gegensatz dazu teilt die Rainforest Alliance mit: Nach den Recherchen von Public Eye habe man sofort eigene Untersuchungen begonnen. Laut einem Audit im Februar 2026 wurden keine der erwähnten Missstände festgestellt, allerdings wurde dieses auf Voranmeldung durchgeführt. Eine der Farmen hat kürzlich entschieden, den Zertifizierungsprozess zu verlassen.
Karin Wenger, freie Journalistin und ehemalige SRF-Korrespondentin, die mehrere Monate in Guatemala lebte und 2025 Chiquita-Plantagen in Panama besuchte, berichtet ähnliche Bedingungen wie jene im Public Eye Bericht. Sie schildert ausbleibende Gesundheitsversorgung, überlange Arbeitstage sowie niedrige Löhne als Alltagssituationen, wobei viele Arbeiter Hautprobleme durch Pestizide hatten.
Auf Streiks in Panama reagierte Chiquita drastisch: Rund 6500 Mitarbeiter wurden entlassen und die Plantagen geschlossen. Wenger kritisiert, dass der Konzern seine marktbeherrschende Stellung nutzt, um Gewinne zu maximieren, ohne auf Arbeiterrechte Rücksicht zu nehmen. Um Verbesserungen herbeizuführen, sieht sie neben Chiquita und den Regierungen in den Produktionsländern auch die Schweiz in der Pflicht, da hier der Hauptsitz von Chiquita ist: “Wie kann es sein, dass ein multinationales Unternehmen wie Chiquita seinen Sitz in der Schweiz hat, wir Steuergelder entgegennehmen und uns nicht um deren Einkommensquellen kümmern?”
Radio SRF 1, Espresso, 21.4.26, 8.10 Uhr