Das soziale Engagement war nur eine Seite des Phänomens, das der Graffiti-Künstler verkörperte. Die andere Seite war seine Anonymität. In ihr bestand sein grösstes Kunstwerk.
Fans sind enttäuscht und empört über die Enthüllung der Identität Banksys durch Reuters. Sie verloren ein Idol, dessen unsichtbare Spur sich um den Globus zog. Seine sozialkritischen Graffiti reichten von Grossbritannien bis Israel.
Die Nachrichtenagentur Reuters hat mit ihren Recherchen viele in der Street-Art-Szene vor den Kopf gestossen, die ein Schweigegelübde über das Anonymitätsprinzip wahren. Es wird befürchtet, dass Banksys künftige Arbeiten gefährdet sein könnten.
Banksys Anwalt Mark Stephens forderte Reuters auf, den Bericht nicht zu veröffentlichen und betonte die Gefahr durch die Enthüllung der Identität. Die Privatsphäre seines Mandanten sei bedroht, argumentierte er.
Reuters sieht hingegen das öffentliche Interesse an einer Persönlichkeit, die einen tiefgreifenden kulturellen Einfluss hat. Durch seine Anonymität konnte Banksy ohne Transparenz agieren, was Reuters’ Recherche rechtfertige.
Fans schätzten an Banksy gerade, dass er nicht als Selbstdarsteller galt und sich auf seine Kunst konzentrierte. Er war bereit, Risiken einzugehen, um Missstände anzuprangern und die Wahrheit zu sagen.
Nun hat Banksy diese Anonymität verloren. Geboren 1973 als Robin Gunningham in Bristol, machte er sich bereits als Schüler mit Comic-Zeichnungen einen Namen. Seine Graffiti wurden in den Neunzigern ein fester Bestandteil des Stadtbildes.
Banksys Werke galten oft nicht als Schmiererei, sondern als Kunst, wie eine Umfrage von 2009 zeigte. Ein Beispiel ist seine Friedenstaube mit kugelsicherer Weste an der israelisch-palästinensischen Mauer.
Sein soziales Engagement war nur eine Seite seiner Kunst – die andere war seine Anonymität. Diese machte ihn zum Mythos, den Fans nun vermissen. Gleichzeitig war Banksys Anonymität ein marketingstrategisches Merkmal seines Schaffens, das er geschickt nutzte.
Banksy provozierte selbst Interesse an seiner Identität durch spektakuläre Aktionen und Auftritte. Er wurde zum größten Star der Urban-Art-Szene, ohne jemals sein Gesicht preiszugeben.
Er erlangte Ruhm auch durch seine Risikobereitschaft und skandalträchtige PR-Stunts wie das Zerstückeln seines Werks «Girl with Balloon» bei einer Auktion. Banksy nutzte den Kunstmarkt geschickt zu seinem Vorteil.
Er spricht ein breites Publikum an, indem er in seinen Bildern gesellschaftliche Missstände kritisiert. In dieser Rolle erinnert er viele an Robin Hood.
Banksy wird als britischer Nationalheld und beliebtester Künstler gefeiert. Seine Werke sind zu Kunst-Trophäen geworden, auch wenn sie ursprünglich nicht für Museen gedacht waren. Die Enttarnung könnte nun ihren Wert mindern.
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