Der Anlageexperte Klaus Wellershoff warnt vor bedeutenden konjunkturellen Gefahren, die durch den Konflikt im Iran entstanden sind. Er prognostiziert weiterhin Kursrückgänge an den Börsen und betont, dass Aktien immer noch überbewertet seien.
In der jüngsten Vergangenheit verzeichnete der Swiss-Performance-Index einen Rückgang von 9 Prozent, während der DAX um über 10 Prozent fiel. Wellershoff stellt die Frage nach weiteren Kursverlusten im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg und beschreibt die aktuelle Marktlage als herausfordernd für Unternehmen aufgrund erhöhter Inflationsraten und drohender Weltrezession.
Die Wachstumsschwäche in großen Volkswirtschaften, wie den USA, Deutschland und China, sowie in europäischen Ländern wie Frankreich und Spanien, hat sich durch die Ereignisse rund um Iran weiter verschärft. Zudem steigen die Energiepreise stark an, was Unsicherheit bei Unternehmen und Verbrauchern erhöht. Wellershoff befürchtet einen Käuferstreik.
Er weist darauf hin, dass selbst geringfügige Änderungen im Konsumverhalten oder Investitionszurückhaltung die Wirtschaft negativ beeinflussen können. Die Energiepreise sind aufgrund des Konflikts stark gestiegen, aber Wellershoff glaubt nicht an eine Wiederholung der Krise aus den 1970er Jahren, da andere Produzenten bereit sind, die Versorgung sicherzustellen.
Trotz erheblicher Schäden in der Golfregion sieht Wellershoff Potenzial zur Umleitung von Energiequellen und stellt fest, dass alternative Produktion möglich ist. Saudi-Arabien warnt vor einem Ölpreisanstieg über 180 Dollar, sollte die Strasse von Hormuz länger blockiert bleiben. Allerdings betrachtet er dies als ein Szenario ohne definitive Vorhersagekraft.
Politische Verlierer des Konflikts sind nach Wellershoff jene, die sich für den Klimaschutz engagieren, während Investitionen in Verteidigung und Sicherheit zunehmen. Das Pentagon hat zusätzliche Mittel beantragt, was den ohnehin angespannten US-Bundeshaushalt belastet.
Zahlreiche Notenbanken haben die Leitzinsen stabil gehalten, während sie ihre Wachstumsprognosen senkten und höhere Inflationserwartungen ausgaben. Ein Risiko einer Stagflation wird genannt, da Zinssenkungen die Ölpreise nicht beeinflussen.
Wellershoff rät Anlegern zu Vorsicht aufgrund der hohen Bewertungen von Aktien und niedrigen Risikoaufschlägen bei Unternehmensanleihen. Er empfiehlt Investitionen erst in der Rezession, wenn höhere Gewinne möglich sind.
Technologietitel könnten durch die Euphorie um künstliche Intelligenz gefährdet sein, da sich noch keine klaren Strategien abzeichnen. Wellershoff ist überzeugt, dass es in jeder technologischen Umbruchphase zu Fehlinvestitionen kommen wird und dass er nicht voraussagen kann, welche Unternehmen letztlich profitieren werden.