Schwerelosigkeit bietet einzigartige Voraussetzungen für wissenschaftliche Untersuchungen und industrielle Produktion. Jedoch ist der menschliche Körper nicht für langfristiges Leben im All ausgelegt. Die Raumfahrtbranche strebt danach, dies mit künstlich erzeugter Schwerkraft zu ändern.
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Die Haven-1 beeindruckt durch weiße Flächen, Holzverkleidungen, schlanke Metallstreben und echtes Leder. Diese Raumstation, die von einer ehemaligen Apple-Designerin entworfen wurde, erinnerte unsere Silicon Valley Korrespondentin Marie-Astrid Langer an einen Apple Store. Bei einem Besuch des «Space Beach» in Los Angeles konnte sie mit VR-Brille den Prototypen der Haven-1 betrachten. Diese soll bald die Erde umkreisen und wird von der Firma Vast für einen Auftrag der Nasa entwickelt, die Nachfolge der Internationalen Raumstation (ISS) zu übernehmen. Auch andere Unternehmen wollen vom expandierenden «space business» profitieren und langfristig neue Lebensräume im All erschaffen.
Die Frage ist: Wie wird eine Raumstation zu einem Ort für Leben, Forschung und Arbeit?
Die ISS soll voraussichtlich 2030 abgeschaltet werden und abstürzen. Ihre Nachfolger sollen von kommerziellen Raumfahrtunternehmen betrieben werden, die Astronauten, Firmen- und Universitätsforscher sowie wohlhabende Touristen empfangen. Es entsteht ein eigener Wirtschaftsraum im Orbit.
Wichtig zu wissen: Schwerelosigkeit ermöglicht einzigartige Forschungs- und Produktionsmöglichkeiten, doch der Mensch ist nicht für das All gemacht. Die künstliche Erzeugung von Schwerkraft ähnelt einem Kettenkarussell, bei dem die Fliehkraft durch Rotation eine Erdanziehungskraft nachahmt. Zu schnelle Drehungen können Übelkeit auslösen. Deshalb darf sich die Station maximal zwei bis sechs Mal pro Minute drehen. Je langsamer sie dreht, desto größer muss sie sein; für zwei Umdrehungen pro Minute wird ein Radius von etwa 200 Metern benötigt.
Stand der Forschung: Die Idee rotierender Raumstationen ist so alt wie die Science-Fiction, doch ihre technische Umsetzung befindet sich noch in den Anfängen. Bevor langfristige Wohnstätten entwickelt werden, konkurrieren Firmen um den Nasa-Vertrag zur ISS-Nachfolge.
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