Der britisch-niederländische Konzern Unilever erwägt, seine Lebensmittelsparte mit Traditionsmarken wie Knorr oder Hellmann’s von seinem Portfolio zu trennen. McCormick, ein US-Gewürz-Riese, zeigt Interesse an dieser Sparte. Ein breites Sortiment gegenüber einem fokussierten Angebot ist eine Debatte, die sowohl Nestlé als auch Unilever bereits länger führen.
Unilever hat Gespräche mit McCormick über eine mögliche Abspaltung der Lebensmittelsparte bestätigt. Diese könnten in einer Fusion münden, wodurch McCormick den umfangreicheren Nahrungsmittelsektor von Unilever übernehmen würde. Zu diesem Portfolio zählen Marken wie Knorr, Hellmann’s Mayonnaise und das Malzgetränk Horlicks.
In der Vergangenheit hat Unilever bereits Teile seiner Geschäfte ausgelagert: Das Glace-Geschäft wurde in The Magnum Ice Cream Company ausgegliedert, während man sich von Margarine und Tee (u. a. Lipton) trennte. Der Konzern entstand 1930 durch den Zusammenschluss der niederländischen Firma Margarine Unie und des britischen Seifenherstellers Lever und hat einen Produktionsstandort in Thayngen, Schweiz.
Sollte die Transaktion mit McCormick erfolgreich sein, würde sich Unilever auf Schönheitspflege-Produkte wie Dove oder Axe sowie Putz- und Waschmittel (Cif, Omo) fokussieren. Eine solche Konzentration könnte das begrenzte Wachstumspotenzial der Food-Marken in Industrieländern ausgleichen und die verschärften Regulierungen adressieren.
In den letzten Jahren ist es ein Trend, dass große Konglomerate sich zu fokussierten Unternehmen umstrukturieren. Diese Entwicklung wird von Finanzinvestoren vorangetrieben, die auf gesteigerte Schlagkraft hoffen.
Unilever steht seit vier Jahren unter dem Einfluss des aktivistischen Aktionärs Nelson Peltz, der auch im Verwaltungsrat sitzt. Diese Periode brachte einen CEO-Wechsel und umfangreiche Umstrukturierungen mit sich.
Obwohl die Abtrennung der Food-Sparte diskutiert wird, äußerten Kritiker Bedenken hinsichtlich möglicher Verzögerungen im operativen Geschäft Unilevers durch einen weiteren komplexen Umbau. Nestlé plant ebenfalls eine Vereinfachung seiner Konzernstruktur, während es sein breites Portfolio beibehält, um Verhandlungsmacht gegenüber Detailhändlern zu wahren.
Die Zukunft der Transaktion mit McCormick bleibt ungewiss; zudem kann sich die Einschätzung von Geschäftsfeld-Kompatibilitäten schnell ändern. Dies zeigt sich am Beispiel von Kraft Heinz, das nach einer Fusion 2015 seine Pläne zur Aufspaltung wieder zurückzog.
Die Gerüchteküche der Branche wird in den kommenden Monaten sicherlich weiter brodeln.