Nigel Inkster, früher Director of Operations beim MI6, beobachtet seit über fünfzig Jahren Chinas technologischen Fortschritt und betont dessen zunehmende Fähigkeiten im Bereich der Geheimdienstarbeit. Seine Einschätzung: China ist bei vielen Schlüsseltechnologien den USA immer nähergekommen und nutzt Technologie strategisch als Mittel zur Machtausübung, eine Praxis, die sich durch die gesamte Geschichte des modernen Chinas zieht. Inkster verfolgte Chinas technologischen Fokus über drei Jahrzehnte hinweg. Er sieht China beim Aufholen der USA bei Technologie und betont dessen Vorteile im Wettstreit um globale Einflussnahme. Im Gespräch mit einem Journalisten erläutert Inkster, dass Chinas Stärken besonders in der Biotechnologie liegen, wo es sowohl für militärische als auch zivile Anwendungen führend ist. Auch im Bereich erneuerbarer Energien zeigt sich China stark und nutzte diese Technologien, um zur industriellen Supermacht aufzusteigen. Inkster verweist darauf, dass Chinas Fokus auf technologischen Fortschritt bereits seit 175 Jahren besteht, beginnend mit dem Bestreben, westliche Industrienationen einzuholen. Ein entscheidender Moment in dieser Entwicklung war das Internet, das sowohl die wirtschaftlichen als auch die Spionagefähigkeiten Chinas enorm befeuerte. Xi Jinpings Machtübernahme 2012 markierte einen Wendepunkt für China. Mit der Initiative „Made in China 2025“ wurden Chinas technologische Ambitionen erstmals klar formuliert, und es entstand die Überzeugung im Lande, dass das 21. Jahrhundert Chinas sein werde. Die USA realisierten erst allmählich, dass ihre technologische Vorherrschaft bedroht ist. Erst als der chinesische Konzern Huawei beim 5G-Mobilfunkstandard vorpreschte, setzte in den USA ein Umdenken ein. Die Debatte um mögliche Sicherheitsrisiken durch Huaweis Technologie führte zu erheblichen politischen Spannungen. Inkster sieht Chinas Vorteile auch darin, dass es seine Unternehmen zur Zusammenarbeit mit Geheimdiensten zwingt, was ihnen eine glaubwürdige Tarnung verschafft. Allerdings steht China vor Herausforderungen durch die Überwachungsstrukturen im eigenen Land, die das geheime Handeln erschweren. Trotz dieser Herausforderungen hält Inkster Chinas technologischen Aufstieg für erfolgreich, da es als zentralisiertes Einparteiensystem langfristige Strategien verfolgen kann. Er weist jedoch darauf hin, dass keine Technologie einen Konflikt vollständig vorhersagbar machen könnte, selbst wenn eine allgemeine künstliche Intelligenz entwickelt würde. Abschließend betont Inkster die Unvorhersehbarkeit des technologischen Wettbewerbs zwischen den USA und China. Er vermeidet Prognosen, da Innovationen oft unerwartete Wendungen nehmen können.