Um die Fähigkeiten im Cyberraum und die Luftverteidigung gegen ferngesteuerte Raketenangriffe sowie Mini-Drohnen zu stärken, fordert der Bundesrat im heute genehmigten Armeebericht 2026 insgesamt 3,4 Milliarden Franken an Bundesmitteln. Zusätzlich möchte die Exekutive einen zusätzlichen Kredit in Höhe von 394 Millionen Franken beantragen, um einen Teil der höheren Kosten für den Kauf von mindestens 30 F-35A Kampfflugzeugen zu decken.
Die Prioritäten und das Volumen im Bewaffnungsprogramm erläuterte Martin Pfister, der Bundespräsident des Kantons Zug und Verteidigungsminister, mit Blick auf den Ukraine-Krieg und die sich verschlechternde Sicherheitslage in Europa. Er betonte, dass diese Entwicklungen direkte Auswirkungen auf die Schweiz haben. Das Konfliktszenario hat sich durch Auseinandersetzungen im Nahen Osten, die sich bereits auf Zypern und die Türkei ausgeweitet haben, weiter verschärft. Für die Schweiz steigen somit die Risiken deutlich, was Pfister als dringenden Handlungsbedarf ansieht, insbesondere da das Land weder auf die EU noch auf die NATO zählen kann. Er erinnerte daran, dass für eine ideale Absicherung zusätzliche 31 Milliarden Franken über die nächsten zehn Jahre notwendig seien, welche durch eine zeitlich befristete Anhebung der Mehrwertsteuer um 0,8 Prozentpunkte finanziert werden sollen.
Der Bundesrat plant daher, den Armeebedarf in Bezug auf wahrscheinliche Bedrohungen wie Distanzangriffe und hybride Konflikte zu decken. In diesem Zusammenhang wird der überwiegende Teil der Mittel – 2,44 Milliarden Franken – für Bewaffnungsprogramme vorgesehen. Dabei geht es vorrangig um die Luftverteidigung in niedrigen bis mittleren Höhen (ein Milliarde Franken) durch den Erwerb zusätzlicher IRIS-T SLM Feuerzellen mit einer Reichweite von bis zu 40 Kilometern und einer maximalen Flughöhe von 20 Kilometern, um Kampfflugzeuge, Drohnen und Marschflugkörper abzuwehren. Dies ermöglicht den Schutz größerer Gebiete und kritischer Infrastrukturen. Zudem soll die veraltete Kurzstrecken-Luftverteidigung (800 Millionen Franken) ersetzt werden.
Ein weiteres Projekt sieht vor, Militäreinheiten, Zivilisten und kritische Infrastrukturen gegen Mini-Drohnen zu schützen (70 Millionen Franken). Ebenso soll das veraltete TAFLIR Taktik-Luftüberwachungsradar durch ein teilweise mobil einsetzbares Mittelstrecken-Radar ersetzt werden, um die Überwachung in niedrigen bis mittleren Höhen zu verbessern (150 Millionen Franken). Pfister erklärte außerdem, dass neben dem Bewaffnungsprogramm 2026 das Parlament über eine Finanzierungsverordnung für die zusätzlichen Kosten des Kaufs der neuen F-35A Kampfflugzeuge (394 Millionen Franken) beraten soll. Dieser Zuschussantrag hält sich an den vom Volk genehmigten Budgetrahmen von 6 Milliarden und ermöglicht voraussichtlich den Erwerb von 30 Flugzeugen.
Zudem umfassen zwei weitere Bewaffnungsprojekte das Ziel, die Resilienz der integrierten Informationsnetze sowie Sensoren zu stärken. Dabei plant die Armee, ihre Fähigkeiten im Weltraum (30 Millionen Franken) auszubauen, um nützliche Informationen für die nationale Sicherheit zu gewinnen. Außerdem soll die gemeinsame Nutzung ziviler Dateninfrastrukturen erweitert werden (100 Millionen Franken). Schließlich sollen die Kapazitäten im Bereich der elektronischen Kriegsführung im Cyberraum und im elektromagnetischen Spektrum ausgebaut werden (240 Millionen Franken). Zur persönlichen Sicherheit der Soldaten sind neue Dienstwaffen für alle Armeen der Armee geplant (50 Millionen Franken).
Für den Immobilienbereich beantragt die Regierung 562 Millionen Franken. Ein unterirdischer Schutzraum für Flugzeuge soll gemäß aktuellen Bau- und Sicherheitsstandards saniert werden (48 Millionen Franken). Um Lärmschutzmaßnahmen bei den Militärflughäfen Emmen, Meiringen und Payerne zu ergreifen, sind zusätzliche 30 Millionen Franken vorgesehen. Darüber hinaus gibt es 89 Millionen Franken an Zusatzmitteln für bauliche Maßnahmen im Zusammenhang mit dem F-35A (größere Hangare und Sanierung von Leitungen – 20 Millionen Franken). Schließlich sind Erweiterungsarbeiten sowie Erhaltungsmaßnahmen für bestehende Immobilien geplant, für die 320 Millionen Franken beantragt werden.