Bislang sind zwanzig Nationen in den Konflikt um den Golf involviert. Die Verbindungen zum Ukrainekrieg werden immer offensichtlicher, wodurch die Region zu einem Austragungsort eines indirekten Machtkampfs zwischen Russland und der Ukraine wird.
Krieg ist das grausamste Handwerk des Menschen. Doch er zwingt auch unerbittliche Lernprozesse auf: Was Militärstrategen entwerfen, wird vom ersten Tag an einem Realitätstest unterzogen. Der Iran-Konflikt liefert bereits reichlich Anschauungsmaterial.
Ein Beispiel ist das Schicksal des Drohnenträgers «Shahid Bagheri», ein gigantisches Schiff von 240 Metern Länge, erst im Vorjahr in Dienst gestellt und die Königsklasse der iranischen Marine. Doch Irans Militärführer mussten erkennen, dass das Konzept einer schwimmenden Luftwaffenbasis ohne ausreichende Verteidigung fehlerhaft war: Das Schiff wurde am ersten Tag des Konflikts von den USA versenkt.
Ebenso erlitten die Amerikaner einen schweren Rückschlag, als eine iranische Drohne ein amerikanisches Einsatzzentrum in Kuwait zerstörte. Sechs US-Soldaten starben und mehr als sechzig wurden verletzt – der schwerste Verlust innerhalb von zwei Kriegswochen. Die Amerikaner arbeiteten in einem mobilen Container mit Betonelementen zum Schutz vor Terrorangriffen, aber ohne Schutz gegen feindliche Drohnen.
Ukrainische Erfahrungen seit 2022 hätten helfen können: Wichtige Erkenntnisse betonen Mobilität, Tarnung und Verstreuung. Die Konzentration von Kampfdrohnen an einem exponierten Ort oder auf Schiffen ohne Flugabwehr ist gefährlich.
Auch die amerikanische Radarstrategie zeigte Schwächen: Standorte sind für Spionagesatelliten leicht erkennbar und müssen gegen tief fliegende Drohnen verteidigt werden. So mussten USA-Stützpunkte von Jordanien bis Katar erhebliche Schäden hinnehmen.
Die USA könnten auch aus dem Ukrainekrieg lernen: Russland ist kein potenzieller Partner, sondern eine feindlich gesinnte Macht mit gegensätzlichen Interessen. China, Russland, Iran und Nordkorea wurden in der Sicherheitsstrategie von 2017 als «Achse der Autoritären» bezeichnet.
Diese Kooperation verstärkte sich: Chinesische Bauteile halten russische Waffenschmieden am Laufen, Iran lieferte Drohnen-Technologie und Nordkorea schickte Soldaten. Auch das Mullah-Regime profitiert von diesem Bündnisgeflecht.
Vor Kriegsbeginn plante der Iran den Kauf chinesischer Anti-Schiffs-Lenkwaffen, die US-Marine gefährden könnten. Russland liefert Informationen über US-Militärstandorte und unterrichtet Taktiken des Drohnenkrieges an Iraner.
Für Moskau geht es darum, einen Regimewechsel in Teheran zu verhindern. Ein längerer Konflikt am Golf könnte höhere Ölpreise bedeuten – ein Vorteil für Russland.
Washington sollte den Iran-Krieg im globalen Kontext betrachten und die Ukraine als strategischen Verbündeten anerkennen, der mit Drohnentechnologie unterstützen kann. Präsident Selenski schickte Teams in Golfstaaten, um ukrainische Abfangdrohnen zu präsentieren.
Trump wartet jedoch vergeblich auf Anerkennung für Militärhilfe und zeigt wenig strategischen Weitblick. Russland profitiert von höheren Öleinnahmen und einem Mangel an Patriot-Abwehrraketen, während die Ukraine dringend solche Mittel benötigt.
Trotz der Eskalation könnte ein rasches Ende des Krieges durch US-Übermacht eintreten. Ein baldiger Frieden würde Russlands Gewinne beenden und der Ukraine ermöglichen, ihre Abfangdrohnen zu testen und lukrative Aufträge anzubahnen.
Europa muss ebenfalls lernen: Die EU plant einen «Drohnenwall», doch bisher fehlt es an Fortschritten. Kostengünstige Technologien wie die ukrainischen sollten stärker genutzt werden. Deutschland schult nun mit ukrainischen Instruktoren Bundeswehr für ein Szenario eines russischen Angriffs ab 2029 – eine bemerkenswerte Rollenumkehr.
Diese Entwicklungen verdeutlichen die komplexen globalen Machtverhältnisse und die Notwendigkeit strategischer Anpassungen.