Die steigenden Zahlen von Opfern häuslicher Gewalt in der Schweiz, insbesondere in städtischen Gebieten, sind besorgniserregend. Im Jahr 2024 wurden 11’849 Fälle verzeichnet – ein neuer Höchststand, wobei die Dunkelziffer noch höher liegt. Verglichen mit 2014, als 8971 Opfer registriert waren, zeigt sich eine deutliche Zunahme. Fachleute wie Brigitte Kämpf von der “Frauenberatung sexuelle Gewalt” sehen in der Wohnungsnot einen wesentlichen Faktor, da Betroffene oft länger bei gewalttätigen Partnern bleiben müssen.
Kämpf betont, dass die Schwierigkeit, eine neue Wohnung zu finden, häufig den Auszug aus einer gefährlichen Umgebung verhindert. Diese Problematik ist besonders in urbanen Regionen ausgeprägt, trifft aber auch ländliche Gebiete zunehmend.
Die Dachorganisation der Frauenhäuser Schweiz und Liechtenstein (DAO) unterstreicht ebenfalls die Verschärfung durch Wohnungsengpässe. Blertë Berisha weist darauf hin, dass viele Frauen trotz Erkenntnis der Unhaltbarkeit ihrer Situation nicht ausziehen können: “Wir haben in der Schweiz nur rund 0,26 Familienzimmer pro 10’000 Einwohnerinnen, was deutlich unter dem Empfehlungswert des Europarats liegt.”
Frauenhäuser stehen häufig am Limit und müssen Betroffene teilweise in Hotels umquartieren, die keinen optimalen Schutz bieten können. Langfristig brauchen viele Frauen nach einem Aufenthalt im Frauenhaus Unterstützung durch Übergangswohnungen.
Zudem zeigt sich, dass Männer, die wegen häuslicher Gewalt ihre Wohnungen verlassen müssen, oft in prekäre Situationen geraten. Tomas Vollenweider vom Mannebüro Züri betont, dass rund 20 Prozent der Täter keine unmittelbare Anschlussunterbringung finden.
Es wird deutlich, dass die Wohnungspolitik geschlechterspezifische Gewalt stärker berücksichtigen muss. Die Beratungsarbeit mit Opfern und Tätern soll Verantwortung fördern und alternative Handlungsstrategien entwickeln helfen, um langfristige Lösungen zu finden.
Betroffene können sich an die Opferhilfe Schweiz oder lokale Frauenhäuser wenden. Trotz Herausforderungen bemühen sich diese Einrichtungen, passende Schutzmaßnahmen zu gewährleisten.