Der Bundesrat sieht die Einführung einer Maut für ausländische Autos, die den Süden der Schweiz passieren, als EU-konform an. Diese Gebühr soll vor allem Transitfahrten betreffen, bei denen ein Fahrzeug ohne signifikanten Aufenthalt von Grenze zu Grenze fährt. Das Vorhaben, das durch eine Motion des Tessiner SVP-Ständerats Marco Chiesa initiiert wurde, zielt darauf ab, die Verkehrsdichte auf den Autobahnen, insbesondere im Gotthardbereich, zu senken. Dort kommt es an über 100 Tagen pro Jahr zu Überlastungen, wobei bis zu drei Viertel der Fahrzeuge aus dem Ausland stammen.
Das Parlament hat die Maut einstimmig im Ständerat und mit nur wenigen Gegenstimmen im Nationalrat unterstützt. Die Grünliberalen favorisieren hingegen eine allgemeine Road-Pricing-Regelung. Details zur Höhe der Gebühr sind noch nicht festgelegt; sie soll sich jedoch an Verkehrsbelastung, Tageszeit und Wochentag orientieren.
Simon Stadler (Mitte-Nationalrat Uri) schlug einen Durchschnittstarif von 21 Franken vor, um etwa 110 Millionen Franken pro Jahr einzunehmen. Diese Mittel sollen in die Instandhaltung der Nationalstrassen und den Agglomerationsverkehr fließen. Ein weiteres Ziel ist es laut Stadler, eine Ungleichheit zu den Nachbarländern auszugleichen, wo Mautgebühren bereits bestehen.
In Österreich belaufen sich die Kosten für Nord-Süd-Achsen auf bis zu 13 Euro pro Durchfahrt, während in Frankreich und Italien noch höhere Gebühren anfallen. In der Schweiz reicht eine Autobahnvignette zum Preis von 40 Franken.
Das Bundesamt für Strassen sieht durch eine Maut auf den Gotthard- und San-Bernardino-Achsen eine Möglichkeit, die Verkehrsbelastung zu reduzieren. Der Bundesrat lehnte jedoch bisher solche Pläne aus innenpolitischen Gründen ab: Eine Gebühr würde das Tessin als einzigen Kanton ohne wintersichere Verbindung isolieren und den lokalen sowie touristischen Verkehr beeinträchtigen.
Eine Maut nur für ausländische Fahrzeuge birgt laut Bundesrat erhebliche administrative Schwierigkeiten und hohe Kosten, da alle Grenzübergänge überwacht werden müssten. Die rechtlichen Bedenken gegenüber der EU bestehen nicht.
Die tatsächliche Einführung einer solchen Maut ist ungewiss und würde vermutlich eine Änderung der Verfassung sowie eine Volksabstimmung erfordern, was Jahre in Anspruch nehmen könnte. Für die kommenden Reisen ins südliche Feriengebiet wird sich daher vorerst nichts ändern.