China strebt danach, die führende Tech-Nation der Welt zu werden, doch Xi Jinpings Bemühungen um Autarkie könnten zur Isolation führen. Die Durchschnittschinesen müssen ihre finanziellen Einschränkungen erdulden und tragen dabei ein hohes Risiko. In Yizhuang, einem südpazifischen Stadtteil Pekings, sind fahrerlose Autos auf den breiten Boulevards allgegenwärtig. Diese Elektrofahrzeuge ohne Fahrer werden von der Hauptstadt als Testgebiet für die Stufe vier des autonomen Fahrens ausgewählt. Unterstützt durch die Regierung, betreibt Pony.ai eine Taxiflotte in Yizhuang und bietet chinesischen Kunden einen fahrerlosen Service. Mit über 1000 Fahrzeugen an Bord strebt das Unternehmen danach, den technologischen Trend anzuführen. Der neue Fünfjahresplan der chinesischen Regierung sieht nicht nur die Luft- und Raumfahrttechnik sowie Robotik vor, sondern auch fliegende Taxis, Biotechnologie, Materialwissenschaften und grüne Technologien. Ziel ist es, bis 2030 eine führende globale Tech-Nation zu werden. Diese Ambitionen erfordern jedoch Opfer der einfachen Bevölkerung, die aufgrund des wirtschaftlichen Drucks immer weniger Geld zur Verfügung haben. Ökonomen hatten gefordert, den privaten Konsum als Indikator für soziale Gerechtigkeit im Plan zu verankern – erfolglos. In China macht der private Verbrauch nur 38 Prozent der Wirtschaftsleistung aus, deutlich weniger als in Europa (60 Prozent) oder den USA (über 70 Prozent). Die Umsätze im Einzelhandel stiegen zuletzt nur marginal. Angesichts von Arbeitsplatzverlusten und Gehaltskürzungen halten die Menschen ihr Geld zusammen. Während große Staatsunternehmen ihre Löhne weiter senken wollen, kämpfen auch Privatfirmen mit finanziellen Engpässen. So ist das Einkommen eines Textilarbeiters in Guangdong von 8000 Yuan (900 Franken) auf 6000 Yuan gesunken. Die Regierung zeigt kaum konkrete Maßnahmen für mehr finanzielle Sicherheit der Bürger, was die Konsumneigung weiter dämpft. Der Fokus liegt auf technologischer Unabhängigkeit und Absicherung gegen externe Schocks, von Nahrungsmitteln bis zu Speicherchips. Dieser Ansatz birgt Risiken: Der private Konsum wird kaum zur Wirtschaftsentwicklung beitragen können. Stattdessen müssen Exporte die chinesische Wirtschaft antreiben, was 2022 einen Rekordhandelsbilanzüberschuss von 1,2 Billionen Dollar erzielte. Xi Jinpings radikaler Kurs könnte zu Spannungen mit dem Westen und regionalen Verbündeten führen. China steht vor der Herausforderung, seine Exportstrategie ohne Währungsaufwertung oder reduzierte Mineralexportierung fortzusetzen. Inländisch zeigt sich Unmut, wenn junge Menschen den Arbeitsmarkt meiden und enttäuscht Beamtenkarrieren anstreben. Zudem wächst die Sorge um Jobverluste durch künstliche Intelligenz und Robotik. Pony.ai verkürzt beispielsweise die Nachfrage nach Taxifahrern, während Hochschulabsolventen ihre Jobs suchen. Xi muss die Risiken seiner Strategie nicht unterschätzen, da China auf einen florierenden Aussenhandel angewiesen ist. Ein technologischer Aufstieg allein garantiert keine allgemeine Zufriedenheit.