Die Vorstellung, dass konsequente Nasenatmung die Körpergesundheit und Fitness steigert, wird oft diskutiert. Ein Experte im Bereich Hals-Nasen-Ohren-Medizin aus Starnberg, Bernhard Junge-Hülsing, beleuchtet den wissenschaftlichen Standpunkt zu diesem Thema.
Die Frage nach der Relevanz von Nasenatmung und den angeblichen gesundheitlichen Vorteilen beschäftigt viele Menschen. Während das Internet voller Ratschläge ist und Bücher die Atmung optimieren wollen, bleibt die wissenschaftliche Evidenz gemischt.
Es wird behauptet, dass Nasenatmung den Blutdruck senken, das Energielevel erhöhen, die Sauerstoffaufnahme verbessern, Kiefer- und Gebissentwicklung bei Kindern fördern sowie die Schlafqualität steigern könnte. Der Arzt bestätigt einige Vorteile: Nasenatmung erwärmt, befeuchtet und filtert die Atemluft, was vor Keimen und Allergenen schützt.
Allerdings ist der Beweis für andere behauptete Effekte, wie das Ausströmen von Stickstoffmonoxid zur Verbesserung der Sauerstoffversorgung im Körper oder signifikante Einflüsse auf Kieferwachstum, nicht eindeutig. Die positive Wirkung auf die Schlafqualität durch Reduktion von Schnarchen wird anerkannt, allerdings atmen gesunde Menschen ohnehin überwiegend im Schlaf durch die Nase.
Eine tiefe Nasenatmung kann beruhigend wirken, ist jedoch keine Lösung für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Der Arzt bewertet den aktuellen Hype um die Nasenatmung kritisch: Viele Effekte seien überschätzt.
Handlungsbedarf besteht vor allem bei dauerhafter Naseverstopfung, wo Ärzte helfen können. Ursachen wie Allergien oder Polypen sind behandelbar. Auch das Körpergewicht kann sich auf die Nasenatmung auswirken, da Fettansammlungen den Luftweg verengen.
Mundatmung ist unter bestimmten Bedingungen normal, wie bei körperlicher Anstrengung oder Erkältungen. Solange der Großteil des Atems durch die Nase erfolgt, besteht laut Junge-Hülsing kein Grund zur Sorge. Der Experte rät dazu, gesunde Prozesse nicht zu pathologisieren und sich nicht von Online-Trends verunsichern zu lassen.
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