Nach seiner aktiven Karriere hat Wladimir Klitschko, der ehemalige Olympiasieger und Weltmeister im Schwergewicht, seine Präsenz in der öffentlichen Arena behalten. Der Kosmopolit aus der Ukraine genießt weltweite Aufmerksamkeit und nutzt sie gezielt, um Themen zu adressieren, die ihm wichtig sind.
Seine Worte haben eine ähnliche Intensität wie seine früheren Boxschläge. Dies zeigte sich deutlich bei den Winterspielen, als er kritisch über die Disqualifikation des ukrainischen Skeletonfahrers Wladislaw Heraskewitsch sprach, der wegen eines Helms mit Porträts gefallener Sportler ausgeschlossen wurde. Klitschko verurteilte solche “politischen Spielchen” und äußerte Bedenken über den Verlust des olympischen Idealismus.
Auch im deutschen Fernsehen betonte er während einer Sendung zum Jahrestag der russischen Invasion die Resilienz seines Landes. Er sprach von den enormen Herausforderungen, denen sich die Ukraine gegenübersieht, und forderte eine stärkere Unterstützung aus dem Westen.
Klitschko, dessen letzter Kampf vor neun Jahren stattfand, bleibt präsent wie nie zuvor. Sein letztes Duell im Wembley-Stadion gegen Anthony Joshua endete mit einer Niederlage. Im Gegensatz zu seinem Bruder, der Bürgermeister von Kiew ist, hat er kein politisches Mandat und keinen festen Wohnsitz in der Ukraine, was ihm ermöglicht, unverfälschte Ansichten kundzutun.
Er sieht sich selbst als Repräsentanten “von eigenen Gnaden” und setzt damit immer wieder Akzente. Muhammad Ali, sein Vorbild und Freund, soll den Brüdern Klitschko einmal mitgeteilt haben, dass sie seine Kronprinzen werden könnten – eine Ansporn für ihren Einfluss über den Sport hinaus.
Die von ihnen 2003 gegründete Stiftung widmet sich Bildungs- und Hilfsprojekten. Nach dem russischen Überfall fokussiert sie sich darauf, Bewohner bombardierter ukrainischer Städte zu unterstützen. Klitschko engagiert sich zudem in Coaching-Programmen wie “Face the Challenge”, die auf seiner Autobiografie beruhen und Führungskräfte inspirieren sollen.
Trotz früherer gesundheitlicher Herausforderungen, kämpft er mit 13 Jahren beim ZSKA Kiew im Boxring an. Unter Trainer Wladimir Zolotarew entwickelte er sich zu einem Weltstar und gewann zahlreiche Titel. Nach Rückschlägen und einer Karriere voller Höhen und Tiefen, etablierte Klitschko sich als dominanter Weltmeister.
Nach dem Rücktritt im Jahr 2017 zog er sich zwischen Los Angeles, Hamburg und Kiew zurück. Heute ist sein politisches Engagement gewachsen, geprägt durch die aktuelle Lage in der Ukraine. Bei einem Talkshow-Auftritt im Februar betonte er seine Vision eines “Comebacks” für sein Land statt seiner selbst.