Der Bundesrat hat die Einführung des digitalen Briefversands für den 1. April beschlossen, ein Schritt weg von der Papierpost. Im Vergleich zu anderen Ländern ist dieser Schritt in der Schweiz weniger revolutionär. Dänemark etwa verschickte seinen letzten physischen Brief bereits vor einem Jahr; die übrig gebliebenen roten Postkästen wurden entweder zu Vintage-Objekten oder Bücherschränken umfunktioniert.
Der Bundesrat verpflichtet ab dem 1. April per Verordnung die Schweizerische Post dazu, Briefe auf Wunsch digital zustellen zu können. Absender können Briefe nun elektronisch über Computer oder Apps versenden. Empfänger können entscheiden, ob sie den Brief als digitale oder physische Kopie erhalten möchten. Ein hybrides Zustellsystem entsteht, bei dem der digitale Versand 40 Rappen kostet und die physische A-Post mit 1.65 Franken.
Die Post betont, dass digitale Briefe durch Sicherheitsmerkmale geschützt sind, wie verifizierte Absender und Empfänger. Diese Merkmale sollen Betrugsversuche erschweren. Alle digitalen Briefe werden archiviert und sind über eine Suchfunktion auffindbar.
Der Scan-Service wurde bereits 2021 eingeführt, und im Jahr 2024 wurden rund 2,8 Millionen Sendungen digital verschickt – ein Bruchteil der 1,5 Milliarden physischen Briefe. Private Anbieter befürchten Marktverzerrungen durch die Post und lehnten eine gesetzliche Verankerung des digitalen Briefes in der Grundversorgung ab.
Avenir Suisse sieht es als falsch an, die analoge Grundversorgung durch digitale Mittel zu ergänzen. Stattdessen sollte die Zustellung physischer Briefe reduziert werden: von 400 im Jahr 2000 auf etwa 100 bis 2030 pro Person.
Andere Länder wie Norwegen haben bereits den Service public reformiert, indem sie die Zustellfrequenz verringerten. Die Post in Norwegen liefert nur noch zweimal in der Woche, um Kosten zu sparen. Der Versuch einer weiteren Einschränkung auf einmal pro Woche wurde jedoch zurückgezogen.
In Deutschland wird eine zumindest zweitägige Zustellung auch in entlegenen Gebieten garantiert. Hier investiert die Deutsche Post in moderne Briefzentren, wie das neue in Germering bei München.
In der Schweiz bleibt die physische Zustellung weiterhin möglich. Die neue Verordnung ermöglicht es der Post, ihre Zustellquote von 97 beziehungsweise 95 Prozent auf mindestens 90 Prozent zu senken und so Kosten einzusparen. Es bleibt eine politische Frage, ob in Zukunft noch ein Grundversorgungsauftrag für physische Briefpost bestehen soll.
Dänemark zeigt, dass der Übergang zum digitalen Versand langwierig sein kann. Trotz einer E-ID vor 15 Jahren wird immer noch eine kleine Menge an Papierpost verschickt, meist durch private Anbieter. Die Postnord hat viele physische Briefe aufgegeben und damit auch zahlreiche Arbeitsplätze verloren. Während einige Angestellte neue Rollen fanden, mussten andere ihre Stellen räumen.
In Dänemark sind nostalgische Ausdrücke wie die Weihnachtsmarke “Julemaerke” immer noch physisch erhältlich. Diese Tradition bleibt für Liebhaber von Papierpost erhalten.