Heute geben KI-Werkzeuge umfangreiche Empfehlungen zu Anlagethemen, doch letztlich bleibt die finale Entscheidung dem Einzelnen überlassen – wie ein persönlicher Test beweist. Es war kurz vor Mitternacht, als ich mit Kopfschmerzen aufgeben musste. Zuvor hatte ich etwas unternommen, das ich schon lange ausprobieren wollte: Ich erstellte ein KI-Notizbuch speziell für finanzielle Fragen und meine Börsenstrategie. Dies ermöglichte mir ein Tool von Google namens Notebook LM, bei dem man zahlreiche Dokumente hochladen kann – etwa Depotslisten, Studien oder Artikel, die überzeugend sind. Auch persönliche Finanz- und Ruhestandspläne können eingesehen werden. Der Vorteil: Die Antworten von Google Notebook stammen hauptsächlich aus diesen Dokumenten, was das Risiko reduziert, dass die KI falsche Informationen liefert oder sich im Meer des Internets verliert. Noch wichtiger ist der Punkt, dass die Ergebnisse stark auf den Nutzer zugeschnitten sind, da sie hauptsächlich auf dessen persönlichen Dokumenten basieren. Ich erhoffte mir von meinem neuen Notizbuch präzisere Antworten zu Fragen wie: Bin ich wirklich breit diversifiziert? Passt meine aktuelle Anlagestrategie zu meinen langfristigen Zielen? Allerdings führte dies dazu, dass mein Kopf rauchte. Die Fokussierung von Notebook LM auf die hochgeladenen Dokumente ist sowohl Fluch als auch Segen: Einerseits verliert sich die KI weniger im Internet, andererseits erkennt sie oft nicht, wenn Informationen in den Quellen veraltet sind oder findet offensichtlichere Antworten nicht, weil ihr der Fokus auf diese Dokumente liegt. Um dieses Problem zu umgehen, hatte ich – wie ich damals dachte – eine kluge Idee: Ich lud Notebook LM’s Anlagevorschlag in eine andere KI, Perplexity, hoch. Anders als Notebook LM nutzt Perplexity ein breites Wissensfundament des Unternehmens, das auch aktuelle Marktentwicklungen und generelle Finanzinformationen umfasst. Die Einschätzung von Perplexity zu meinem Anlagevorschlag gab ich zurück in Google Notebook LM ein und bat dieses um eine Reaktion auf die Kritik der Konkurrenz. So ging es immer wieder hin und her, bis ich vor endlosen Argumenten und Gegenargumenten saß. Am Ende verlor ich den Überblick darüber, wer wem gerade antwortet. Letztendlich kam die Ernüchterung: Ich konnte mich nur sicher entscheiden, wenn ich selbst genau verstand, wie die KIs ihre Vorschläge begründeten. Dann fiel mir ein, dass ich einen guten Finanzberater habe – einen Menschen aus Fleisch und Blut. Im Zweifelsfall werde ich ihn in Zukunft einfach um Rat fragen.